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BA101 SA als Wissenschaft und Profession - Berufsgeschichte - Vormundschaft & Jugendfürsorge

Vormundschaftliche Eingriffe zwischen Recht und Willkür (Hauss)

Subject
Humanities / Pedagogy
Language of creation
German
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Cards in this set

Card 1

Question

Skizzieren die Vormundschaft im frühen 20. Jahrhundert

Answer

  • Die Vormundschaft stand zwischen den Rechten und den Bedürfnissen der Jugendlichen und dem Bestreben, gesellschaftliche Normen durchzusetzen und Jugendliche an diese anzupassen.
  • DAs ZGB ermöglichte Eingriffe in Biografien und schafften so neue Familienzusammenhänge. Diese Entscheidungen führten zu neuen Dilemmata zwischen Sorge für das Wohl des Kindes bzw. Jugendlichen, dem Recht der Eltern und den gesellschaftlichen Normalisierungsansprüchen. 
  • Die gesellschaftlichen Denk- und HAndlungsmuster beeinflussen die Beobachtung, Argumente und Begründungen in den Fallgeschichten. 
  • War in ihrer Ambivalenz an den gesellschaftlichen Ausschlussprozessen beteiligt.

Card 2

Question

Was passierte in den 1920er Jahren? Wie entwickelten sich die Vormundschaften weiter?

Answer

  • Die Jugendämter und Vormundschaftsbehörden wurden immer mehr durch soziale Probleme und eine kritische wirtschaftliche Lage gefordert.
  • Die Jugendlichen verhielten sich nicht mehr den Traditionen entsprechend und entsprachen somit nicht mehr dem Gesellschaftsbild. Dies führte zur kritischen Beobachtung durch die Ämter.
  • Die Jugendlichen wurden kontrolliert und ausspioniert. Stellten sie unsittliches Verhalten fest oder fielen ihnen schlechte familiäre Kontexte auf, schalteten sie sich ein.
  • Sie waren sehr strikt und streng. Jede Wiedersetzung galt als nicht-Kooperation und wurde sanktioniert.
  • Man gab dem schlechten biologischen Erbgut und Charakter schuld.
  • Missstände traten mehrheitlichen in armen Familienverhältnissen auf. z.B. Alkoholismus, Vernachlässigung, Krankheit etc.
  • Bei jungen Männer lag der Fokus auf der Arbeitshaltung.
  • Bei jungen Frauen lag der Fokus auf ihrem sexuellen bzw. erotischem Verhalten.
  • Die häufigste Vormundschaftliche Massnhame lag in der Versorgung in Anstalten oder der Einweisung in Zwangsarbeitsanstalten. Dies sollte eine disziplinierende Wirkung haben.

Card 3

Question

In den 1930er kamen die psychiatrischen Diagnosen auf. Wie wirkten sich diese aus? Was veränderte sich?

Answer

  • Die Diagnosen halfen den Ämtern bei der Durchsetzung von Massnhamen und bestätigten sie in ihrem Tun.
  • Auf diese Art wurde den Behörden die kritische Refelxion ihres Handelns erspart.
  • in den Gutachten tauchten klassifizierende Begriffe auf: "Gleichgültigkeit, Unsittlichkeit, Erregungszustände und Verführbarkeit". Diese reichten für die Errichtung einer Massnhame aus.
  • In dieser Zeit wurden viele Kinder und Jugendliche als "verhaltensgestört" eingeteilt und dies in besonderem in Bezug auf ihr Erbgut.

Card 4

Question

Welche Rolle spielte die eugenische Wissenschaft in den 1940er Jahren?

Answer

  • Sie wurde vermehrt angewendet. So entschieden Behörden und Ämter immer öfters aufgrund der Erbanlage der Jugendlichen was mit ihnen geschenen soll.
  • Wurde ein Erbgut als schlecht gewertet, kam es unteranderem dazu, dass Mädchen zwangssterilisiert wurden.
  • Die eugenische udn biologische Vorstellungen wurden höher gewichtet als die Rechte der Jugendlichen.
  • Es gab auch reversible Massnhamen wie ein Heiratsverbot oder Versorgungen.

Randnotiz:

Der Blick auf die Geschichte macht deutlich, wie anspruchsvoll das Ausbalancieren zwischen Eingriffen und Respekt bei zivilrechtlichen Massnahmen sein kann. Diese stehen immer auch im Kontext, zeitgenössischer Diskurse. Eine selbstkritische Reflexion der Entscheide und Massnahmen sowie eine Transparenz im Verfahren sind Voraussetzung dafür, dass in der Bearbeitung der gegebenen Amivalenzen Respekt und Fachlichkeit gewahrt werden können

Card 5

Question

Beantwortung der Leitfrage

Wie zeichnet den Blick des Vormundschaftsamtes in den Jahren 1920-1950 aus? Welches Wissen gewinnt an Bedeutung und wie gestaltet sich die damalige zivilrechtliche Praxis?

Answer

  • In den 1920er Jahren waren die Familien- und Erziehungsbedingungen im Blick der Vormundschaft

  • Fokus auf Verhalten, Milieu und sozialen Kontext

  • In den 1930er Jahren gewann das medizinisch-biologische Deutungsmuster an Bedeutung

  • Jugendliche wurden zunehmend entlang abwertenden Zuschreibungen beurteilt

  • Härtere Massnahmen entstanden

  • In den 1940er Jahren wurde das eugenische Denkmodell bedeutsam

  • Soziale Probleme wurden auf biologische Ursachen geschoben (auf schlechtes Erbgut zurückgeführt)

  • Soziale Probleme wurden anhand von psychiatrischen Klassifikationen beurteilt

  • Zum Schutz gesellschaftlicher Normen und deren Gesundheit, wurden der Ausschluss von Einzelnen

    sowie die Verletzung der persönlichen Integrität legitim

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