Rheumatoide Arthritis (auch: primär chronische Polyarthritis).
Sie ist die äufigste Systemerkrankung des Bindegewebes und verläuft schubweise sowie progredient. Es handelt sich um eine systemische Autoimmunerkrankung, die sich neben den Gelenken auch an anderen Organen manifestieren kann (Herz, Lunge, Leber, Niere, Nerven, Muskel, Haut). An den Gelenken kommt es zur entzündlichen Schädigung von Gelenkkapsel und -knorpel. Gelenkfehlstellung und -verknöcherung sind die Folge. Die Rheumatoide Arthritis befällt zu Beginn symmetrisch vorwiegend Hand- und Fingergelenke, kann aber auch alle anderen Gelenke, sowie die paraartikulären Weichteile betreffen.
Frauen sind 4 x so häufig betroffen wie Männer; die Erkrankung beginnt meist um das 40. Lebensjahr.
Ursache: Ungeklärt.
Klinik: Allgemeine Klinik des entzündlichen Rheumatismus:
- Gelenksteifigkeit,
- Entzündungszeichen: Rötung, Schwellung, Schmerz, eingeschränkte Funktion,
- Synovitis mit Gelenkfehlstellung und Muskelatrophie.
Klinischer Verlauf:
- Beginnt meist symmetrisch an den kleinen Fingermittel- und Grundgelenken und schreitet zentripetal fort,
- in 20% d. F. ist die Erstmanifestation eine Monarthritis eines großen Gelenkes (Knie, Schulter), evtl. ebenfalls symmetrisch,
- anfangs Bewegungsschmerz und Schwellung ohne Deformierungen, morgendliche Steifigkeit (für 1-2 Stunden),
- später Muskelatrophie der Interossealbereiche, Durchblutungsstörungen der Finger, extraartikuläre Weichteilbeteiligung (z.B. Karpaltunnelsyndrom, Gelenkergüsse, Sehnenscheidenentzündungen, Myalgien), Gelenkdeformierungen (z.B. Ulnarabweichung im Handgelenk, Schwanenhalsdeformität der langen Finger, Valgusdeformität im Knie (X Bein, Genu valgum), Platt- und Knickfuß, Instabilität der oberen Halswirbel),
unspezifische Allgemeinsymptome:
- Abgeschlagenheit, Schweißneigung, abnorme Pigmentation an den dem Sonnenlicht am meisten ausgesetzten Stellen.
Mögliche Befallmuster:
- Gelenke: Synovitis, Muskelatrophie, Deformierungen,
- Haut: subkutane und tendinöse Rheumaknoten an den Streckseiten,
- Herz: Myo- oder Perikarditis,
- Lunge: Pleuritis, interstitielle Fibrose,
- Magen-Darm: Mikroblutungen, Erosionen, Ulzera,
- Gefäße: Vaskulitiden.
Diagnose:
Anamnese, Klinik, Labor, Röntgen, Histologie:
Eine eindeutige Frühdiagnose ist äußerst schwierig. Die Gelenkdeformierungen - als eindeutige Zeichen der Rheumatoiden Arthritis - kennzeichnen bereits das fortgeschrittene Stadium.
Zur Diagnosefindung hat die Amerikanische Rheumagesellschaft ARA (American Rheumatism Association) Kriterien entwickelt, die die Rheumatoide Arthritis in eine mögliche, wahrscheinliche und gesicherte einteilen.
ARA-Kriterien:
- Morgendliche (Finger-)steifigkeit,
- Schmerzhaftigkeit von mindestens einem Gelenk,
- Kapselschwellung von mindestens einem Gelenk,
- Schwellung von mindestens einem weiteren Gelenk (höchstens 3 Monate Abstand),
- symmetrisch beidseitige Gelenkschwellung (außer Fingerendgelenken),
- subkutane Rheumaknoten,
- typische röntgenologische Veränderungen,
- laborchemischer Nachweis von Rheumafaktoren,
- schwache Muzin-Ausfällung (Präzipitation) in der Synovia,
- charakteristische Histopathologie der Synovialmembran,
- charakteristische Histopathologie der subkutanen Knötchen.
Sonderformen:
- Caplan-Syndrom: Rheumatoide Arthritis + Silikose (bei Grubenarbeitern),
- Still-Krankheit: schwere, atypisch verlaufende Rheumatoide Arthritis im Kindesalter mit Gelenkergüssen, Fieber, Milz- und Leberschwellung, Lymphknotenschwellung, Exantheme, Rheumafaktor negativ,
- Felty-Syndrom: schwere Rheumatoide Arthritis im Erwachsenenalter mit Milz- und Lymphknotenschwellung, Leukopenie, Rheumafaktor stark positiv.
Therapie:
Medikamente: Analgetika, Antiphlogistika, Kortikoide, Langzeitbehandlung mit Basistherapeutika (Immunsuppressiva); lokale physikalische Anwendungen, Krankengymnastik, Ergotherapie, Psychotherapieverfahren, Sozialarbeit, prophylaktische und rekonstruktive Operationen.