Card 1
Question
Nehmen wir nun denselben Sachverhalt in einem lebensnaheren Beispiel: Wenn Frau A auf Frau B's Halskette deutet und fragt: «Sind das echte Perlen?», so ist der Inhalt ihrer Frage ein Ersuchen um Information über ein Objekt. Gleichzeitig aber definiert sie damit auch – und kann es nicht nicht tun - ihre Beziehung zu Frau B. Die Art, wie sie fragt (der Ton ihrer Stimme, ihr Gesichtsausdruck, der Kontext usw.), wird entweder wohlwollende Freundlichkeit, Neid, Bewunderung oder irgendeine andere Einstellung zu Frau B ausdrücken. B kann ihrerseits nun diese Beziehungsdefinition akzeptieren, ablehnen oder eine andere Definition geben, aber sie kann unter keinen Umständen - nicht einmal durch Schweigen - nicht auf A's Kommunikation antworten. Für unsere Überlegungen wichtig ist die Tatsache, daß dieser Aspekt der Interaktion zwischen den beiden nichts mit der Echtheit von Perlen zu tun hat (oder überhaupt mit Perlen), son- dern mit den gegenseitigen Definitionen ihrer Beziehung, mögen sie sich auch weiter über Perlen unterhalten.
[...]
Um Mißverständnisse hinsichtlich des eben Gesagten zu vermeiden muß klargestellt werden, daß Beziehungen verhältnismäßig selten bewußt und ausdrücklich definiert werden. Im allgemeinen ist es so, daß die Definition der Beziehung um so mehr in den Hintergrund rückt, je spontaner und «gesunder» die Beziehung ist, während «kranke» (d. h. konfliktreiche) Beziehungen u. a. durch wechselseitiges Ringen um ihre Definition gekennzeichnet sind, wobei der Inhaltsaspekt fast völlig an Bedeutung verliert.“
Frage: Nehmen wir mal an Frau A ist neidisch auf die Perlen von Frau B und eigent- lich auch auf Frau B selbst. Wie ist dann mit ihrer Frage die Beziehungsgestaltung (nach Watzlawick) zu Frau B zu interpretieren?
Answer
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Sie ist asymmetrisch und Frau A nimmt die überlegene Position ein.
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Sie ist asymmetrisch und Frau A nimmt dabei die unterlegene Position ein.
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Sie ist symmetrisch, da die beiden immer noch auf Augenhöhe weitersprechen könnten.
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Sie ist symmetrisch, weil Frau A ja nicht ausdrücklich sagt, dass sie neidisch ist.
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Sie ist asymmetrisch, weil es Frau A gar nicht um die Echtheit der Perlen geht, sondern darum, Frau B mit einer angedeuteten Unterstellung herauszufordern.