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Theorie und Geschichte der Sozialen Arbeit

Lernfragen aus dem Skript der Vorlesung von Prof. Dr. Steinacker im Wintersemester 2015/16

Subject
Society / Soziales
Language of creation
German
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Cards in this set

Card 1

Question

Welche gesellschaftlichen Gruppen galten im Mittelalter als arm?

Answer

Witen, Waisen, Krüppel, Kranke

Unehrliche Berufe wie: Totengräber, Schinder, Prostituierte, Spielleute, fahrendes Volk

Selbstständige Handwerke mit geringem Einkommen

Beschäftigte im Textilsektor, Bauhandwerk und (städt.) Agrarsektor

Card 2

Question

Was ist mit den Begriffen absolute und relative bzw. primäre und sekundäre Armut gemeint?

Answer

Primär / Absolut existenzbedrohend

Sekundär / Relativ Unter dem Standards ihrer Klasse

Card 3

Question

Durch welche Grundüberlegungen zeichnete sich das Verständnis von Armut und Armenpflege von Juan Vivesaus?

Answer

Armenpflege
- Armut systematisch erfassen, kategorisieren und die Armen kontrollieren
- Unterstützung richtet sich nach dem Bedarf im Einzelfall (nicht jeder hat Anspruch)
- Arme auch unter Arbeitspflicht. Unterstützung ist nicht voraussetzungslos.
Armut
- Mehrdimensionales Problem mit gesellschaftlichen Folgen
- öffentliches Problem
- mit öffentlichen Interventionen zu bearbeiten

Card 4

Question

Durch welche (vier) Prozesse ist der Übergang vom mittelalterlichen Almosenwesen zur (früh-)neuzeitlichenArmenfürsorge gekennzeichnet?

Answer

- Kommunalisierung
- Rationalisierung
- Bürokratisierung
- Pädagogisierung

Card 5

Question

Was ist mit Rationalisierung, Kommunalisierung, Bürokratisierung, Pädagogisierung der Armenpflege jeweils gemeint?

Answer

Kommunalisierung
- Zuständigkeit verschiebt sich Richtung Rat/Verwaltung
- Weniger (private) Almosen, mehr öffentlichte Versorgungsmaßnahmen
- Vereinheitlichung der Finanzierung

Rationalisierung
- Bildung von Kriterien zum Hilfsanspruch
- Vorschriften für die Verteilung von Almosen
- Betteln wird gergelt (Bettelordnung)

Bürokratisierung
- Errichtung von Verwaltungsapparaten
- Entstehung bezahlter / hauptamtlicher Tätigkeiten hinzu zum Ehrenamt

Pädagogisierung
- Unterstützung zielt auf Verhaltens- und Einstellungsänderung ab
- Arbeitspflicht für Bettler, zur Refinanzierung und Erziehung zur Lohnarbeit als Norm
- Entstehung eines Moral- und Verhaltenskodex für Bettler
- Strafen und Repression bei Verstoß gegen Arbeitsdisziplin und Wohlverhalten

Card 6

Question

Warum waren auch lohnabhängig Beschäftigte im 17./18. Jh. armutsgefährdet?

Answer

- Ausdehnung der Industrie
- Verschlechterung der Ernährungslage
- stagnierden oder fallende Löhne

Card 7

Question

Durch welche (zwei) Strategien ist der Umgang mit Armut im Absolutismus gekennzeichnet?

Answer

Armenpflege
- Versorgung und Unterstützung berechtigter Armen
- Unterscheidung zwischen würdigen und unwürdigen
- Berechtigt nur Einheimische & Nicht-Arbeitsfähige
- Kontrolle durch prof. Armenpfleger

Bettelrepression
- Almosen verboten
- Beiträge zur Finanzierung der Armenpflege gefordert
- Abschiebung von Bettlern
- Grenzkontrollen, Razzien und Straßenkontrollen
- Erstellung von Gaunerlisten

Card 8

Question

Welche Personen(-gruppen) wurden in den Zucht-und Arbeitshäusern untergebracht? Was haben sie gemeinsam?

Answer

- Arbeitsscheue und Bettler
- verurteilte Verbrecher und Kriminelle
- Gebrechliche, Alter
- Waisenkinder / verarmte Witwen
- psychisch Kranke / venerisch Kranke
- Prostituierte
- unbotmäßiges Gesinde
- ungehorsame, aufsässige Kinder u. Jugendliche

Card 9

Question

Welche Aufgaben wurden in den Zucht-und Arbeitshäusern wahrgenommen?

Answer

1. Stationäre Armenpflege
2. Erziehung von bürgerlichen Normen, Bettelbekämpfung
3. Strafvollzug
4. Produktion / Nutzung der Arbeitskräfte

Card 10

Question

Durch welche (fünf) Strukturprinzipien zeichneten sich die Arbeitshäuser aus? Welche Funktion hatten diese jeweils?

Answer

1. Arbeit
2. Gestaltung des Raums / Architektur (Überwachen und Isolieren)
3. Reglementierung der Zeit (zur Einübung von Selbstdisziplin)
4. Sanktionen (Unterstützung des persönlichen Wandlungsprozesses)
5. Gebet und Unterweisung

Card 11

Question

Was ist mit Sozialdisziplinierung gemeint?

Answer

Nonkonforme Verhaltensmuster und Einstellungen durch eine angepasste Lebensführung ersetzen

Card 12

Question

In wie weit erfüllten die Arbeits-und Zuchthäuser generalpräventive Aufgaben?

Answer

Abschreckung der nicht konform lebenden Menschen, um bereits präventiv nonkonformes Verhalten zu unterbinden

Card 13

Question

Was waren die (drei) großen gesellschaftlichen Transformationsprozesse des 19. Jahrhunderts?

Answer

Industrialisierung

Demografische Veränderungen

Urbanisierung

Card 14

Question

Was ist mit „sozialer Frage“ gemeint?

Answer

Negative gesellschaftliche Folgen des Übergangs zur industriekapitalistischen Gesellschaft

Card 15

Question

Welche Phänomene bzw. Probleme verbargen sich hinter der sozialen Frage?

Answer

- NIedergang traditioneller Gewerbe
- fehlende Subsistenzmöglicheiten auf dem Lande
- Überangebot von Arbeitskräften
- hohe Arbeitslosigkeit
- geringste Löhne (in Industrie und Handwerk)
- keine sozialen Sicherungssysteme

Card 16

Question

Welche Ideen lieferten die unterschiedlichen im 19. Jahrhundert entstandenen Sichtweisen auf Armut für die Soziale Arbeit?

Answer

Armut durch Überbevölkerung (Thomas Robert Malthus)
Problem: zu viele Leute für zu wenig Nahrung
Lösung:
keine Armenunterstützung zur Reduzierung der Fortpflanzung
Erziehung zur Enthaltsamkeit der Armen

Armut als Folge von Ausbeutung (Karl Marx)
Problem:
- Kapital nutzt freie Lohnarbeiter aus
- Lohnarbeiter nur solange Arbeit, solange die Arbeit das Kapital vermehrt
Lösung:
- nur durch politischen Akt (Revolution) möglich.
- bis dahin Selbsthilfe und Selbstorganisation der Arbeiter nötig

Armut als „sittliche Not“ (Johann Hinrich Wichern)
Problem:
Sittlicher Entartung (Trunksucht, Prostitution, Kriminalität, Verwahrlosung, Lüge)
Lösung:
- Diakonie als Kombination aus materieller Hilfe und Tugenderziehung

Bürgerliche Sozialreform
- Begrenzung von Kinderarbeit, Arbeitsschutz
- Einrichtungen zur Volksbildung, Erziehung usw.

Armut als Bildungsproblem (Johann Heinrich Pestalozzi, Karl Mager, Paul Nartop...)
Problem: Fehlendes Wissen
Lösung: (Aus)bildung / Wissen & Erziehung zur Mündigkeit und sozialer Verantwortung

Card 17

Question

Auf welchen (drei) Prinzipien basierte die Armenpflege des 19. Jahrhunderts und was ist damit jeweils gemeint?

Answer

Wohnsitzprinzip
- Anspruch wenn fester Wohnsitz in Gemeind
- Anspruch nach 3 Jahren ununterbrochener Aufenthalt

Subsidiaritätsprinzip
Zuständigkeit von kleinster Ebene (Individuum) zur höchsten Ebene

Lohnabstandsgebot
- Hilfen nicht höher als das niedrigste Arbeitseinkommen
- nur zur Deckung der geringsten Lebensnotwendigkeiten
- Verlust bürgerlicher Recht für die Dauer der Hilfe (bspw. Wahlrecht)

Card 18

Question

Was waren die wesentlichen Organisationsprinzipien bzw. die Grundsätze des ElberfelderSystems?

Answer

- Ehrenamt
- Individualisierung
- Dezentralisierung
- Vermeidung von dauerhafter Unterstützung

Card 19

Question

Welche Initiativen privater Wohltätigkeit entstanden im 19. Jahrhundert?

Answer

- Protestantismus / Innere Mission
- Katholizismus / Caritas
- Bürgerliche Privatwohltätigkeit

Card 20

Question

Wie entwickelte sich die geschlossene Armenpflege im 19. Jahrhundert weiter?

Answer

Entstehung von:
- Kindergarten
- Rettungshäuser (ähnlich Kinder-/Jugendheime)
- Irrenanstalten / Idiotenanstalten
- Tinkerasyle

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