Beschäftigte im Textilsektor, Bauhandwerk und (städt.) Agrarsektor
Card 2
Question
Was ist mit den Begriffen absolute und relative bzw. primäre und sekundäre Armut gemeint?
Answer
Primär / Absolut existenzbedrohend
Sekundär / Relativ Unter dem Standards ihrer Klasse
Card 3
Question
Durch welche Grundüberlegungen zeichnete sich das Verständnis von Armut und Armenpflege von Juan Vivesaus?
Answer
Armenpflege
- Armut systematisch erfassen, kategorisieren und die Armen kontrollieren
- Unterstützung richtet sich nach dem Bedarf im Einzelfall (nicht jeder hat Anspruch)
- Arme auch unter Arbeitspflicht. Unterstützung ist nicht voraussetzungslos. Armut
- Mehrdimensionales Problem mit gesellschaftlichen Folgen
- öffentliches Problem
- mit öffentlichen Interventionen zu bearbeiten
Card 4
Question
Durch welche (vier) Prozesse ist der Übergang vom mittelalterlichen Almosenwesen zur (früh-)neuzeitlichenArmenfürsorge gekennzeichnet?
Was ist mit Rationalisierung, Kommunalisierung, Bürokratisierung, Pädagogisierung der Armenpflege jeweils gemeint?
Answer
Kommunalisierung
- Zuständigkeit verschiebt sich Richtung Rat/Verwaltung
- Weniger (private) Almosen, mehr öffentlichte Versorgungsmaßnahmen
- Vereinheitlichung der Finanzierung
Rationalisierung
- Bildung von Kriterien zum Hilfsanspruch
- Vorschriften für die Verteilung von Almosen
- Betteln wird gergelt (Bettelordnung)
Bürokratisierung
- Errichtung von Verwaltungsapparaten
- Entstehung bezahlter / hauptamtlicher Tätigkeiten hinzu zum Ehrenamt
Pädagogisierung
- Unterstützung zielt auf Verhaltens- und Einstellungsänderung ab
- Arbeitspflicht für Bettler, zur Refinanzierung und Erziehung zur Lohnarbeit als Norm
- Entstehung eines Moral- und Verhaltenskodex für Bettler
- Strafen und Repression bei Verstoß gegen Arbeitsdisziplin und Wohlverhalten
Card 6
Question
Warum waren auch lohnabhängig Beschäftigte im 17./18. Jh. armutsgefährdet?
Answer
- Ausdehnung der Industrie
- Verschlechterung der Ernährungslage
- stagnierden oder fallende Löhne
Card 7
Question
Durch welche (zwei) Strategien ist der Umgang mit Armut im Absolutismus gekennzeichnet?
Answer
Armenpflege
- Versorgung und Unterstützung berechtigter Armen
- Unterscheidung zwischen würdigen und unwürdigen
- Berechtigt nur Einheimische & Nicht-Arbeitsfähige
- Kontrolle durch prof. Armenpfleger
Bettelrepression
- Almosen verboten
- Beiträge zur Finanzierung der Armenpflege gefordert
- Abschiebung von Bettlern
- Grenzkontrollen, Razzien und Straßenkontrollen
- Erstellung von Gaunerlisten
Card 8
Question
Welche Personen(-gruppen) wurden in den Zucht-und Arbeitshäusern untergebracht? Was haben sie gemeinsam?
Answer
- Arbeitsscheue und Bettler
- verurteilte Verbrecher und Kriminelle
- Gebrechliche, Alter
- Waisenkinder / verarmte Witwen
- psychisch Kranke / venerisch Kranke
- Prostituierte
- unbotmäßiges Gesinde
- ungehorsame, aufsässige Kinder u. Jugendliche
Card 9
Question
Welche Aufgaben wurden in den Zucht-und Arbeitshäusern wahrgenommen?
Answer
1. Stationäre Armenpflege
2. Erziehung von bürgerlichen Normen, Bettelbekämpfung
3. Strafvollzug
4. Produktion / Nutzung der Arbeitskräfte
Card 10
Question
Durch welche (fünf) Strukturprinzipien zeichneten sich die Arbeitshäuser aus? Welche Funktion hatten diese jeweils?
Answer
1. Arbeit
2. Gestaltung des Raums / Architektur (Überwachen und Isolieren)
3. Reglementierung der Zeit (zur Einübung von Selbstdisziplin)
4. Sanktionen (Unterstützung des persönlichen Wandlungsprozesses)
5. Gebet und Unterweisung
Card 11
Question
Was ist mit Sozialdisziplinierung gemeint?
Answer
Nonkonforme Verhaltensmuster und Einstellungen durch eine angepasste Lebensführung ersetzen
Card 12
Question
In wie weit erfüllten die Arbeits-und Zuchthäuser generalpräventive Aufgaben?
Answer
Abschreckung der nicht konform lebenden Menschen, um bereits präventiv nonkonformes Verhalten zu unterbinden
Card 13
Question
Was waren die (drei) großen gesellschaftlichen Transformationsprozesse des 19. Jahrhunderts?
Answer
Industrialisierung
Demografische Veränderungen
Urbanisierung
Card 14
Question
Was ist mit „sozialer Frage“ gemeint?
Answer
Negative gesellschaftliche Folgen des Übergangs zur industriekapitalistischen Gesellschaft
Card 15
Question
Welche Phänomene bzw. Probleme verbargen sich hinter der sozialen Frage?
Answer
- NIedergang traditioneller Gewerbe
- fehlende Subsistenzmöglicheiten auf dem Lande
- Überangebot von Arbeitskräften
- hohe Arbeitslosigkeit
- geringste Löhne (in Industrie und Handwerk)
- keine sozialen Sicherungssysteme
Card 16
Question
Welche Ideen lieferten die unterschiedlichen im 19. Jahrhundert entstandenen Sichtweisen auf Armut für die Soziale Arbeit?
Answer
Armut durch Überbevölkerung (Thomas Robert Malthus)
Problem: zu viele Leute für zu wenig Nahrung
Lösung:
keine Armenunterstützung zur Reduzierung der Fortpflanzung
Erziehung zur Enthaltsamkeit der Armen
Armut als Folge von Ausbeutung (Karl Marx)
Problem:
- Kapital nutzt freie Lohnarbeiter aus
- Lohnarbeiter nur solange Arbeit, solange die Arbeit das Kapital vermehrt
Lösung:
- nur durch politischen Akt (Revolution) möglich.
- bis dahin Selbsthilfe und Selbstorganisation der Arbeiter nötig
Armut als „sittliche Not“ (Johann Hinrich Wichern)
Problem:
Sittlicher Entartung (Trunksucht, Prostitution, Kriminalität, Verwahrlosung, Lüge)
Lösung:
- Diakonie als Kombination aus materieller Hilfe und Tugenderziehung
Bürgerliche Sozialreform
- Begrenzung von Kinderarbeit, Arbeitsschutz
- Einrichtungen zur Volksbildung, Erziehung usw.
Armut als Bildungsproblem (Johann Heinrich Pestalozzi, Karl Mager, Paul Nartop...)
Problem: Fehlendes Wissen
Lösung: (Aus)bildung / Wissen & Erziehung zur Mündigkeit und sozialer Verantwortung
Card 17
Question
Auf welchen (drei) Prinzipien basierte die Armenpflege des 19. Jahrhunderts und was ist damit jeweils gemeint?
Answer
Wohnsitzprinzip
- Anspruch wenn fester Wohnsitz in Gemeind
- Anspruch nach 3 Jahren ununterbrochener Aufenthalt
Subsidiaritätsprinzip
Zuständigkeit von kleinster Ebene (Individuum) zur höchsten Ebene
Lohnabstandsgebot
- Hilfen nicht höher als das niedrigste Arbeitseinkommen
- nur zur Deckung der geringsten Lebensnotwendigkeiten
- Verlust bürgerlicher Recht für die Dauer der Hilfe (bspw. Wahlrecht)
Card 18
Question
Was waren die wesentlichen Organisationsprinzipien bzw. die Grundsätze des ElberfelderSystems?
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