Wahrnehmen, Bewerten: Altersentsprechend? Kindgerechter Maßstab? Aspekte zur Bewertung? Aktuelle und langfristige Auswirkungen? Gefahren, wenn das Verhalten bestehen bleibt?
Zuordnen: Nicht isoliert betrachten
Verstehen: Sinn des Verhaltens? Wozu ist es gut? Welche Lernbedingungen haben einmal eine Rolle gespielt? Hat es im Moment eine Funktion? Welche sonstigen, evtl. bedingenden Faktoren sind bekannt?
Lösungen anregen und möglich machen: Welcher Aspekt des Verhaltens ist besonders wichtig? Was kann ich als Erwachsene in meinem Verhalten ändern um Veränderungen beim Kind zu bewirken? Wie soll es sich stattdessen verhalten? Wie kann ich den Raum schaffen, in dem erwünschtes Verhalten möglich wird? Wie verhalte ich mich bei erwünschten Verhalten? Wie kann ich unerwünschtes Verhalten stören und erwünschtes Statt-Dessen-Verhalten anregen?
Card 2
Question
Auffälliges Verhalten wahrnehmen und bewerteb
Answer
Um von auffälligen Verhalten sprechen zu können -> notwendig, dass Person Verhalten wahrnimmt und es als auffällig bewertet
Auffälligkeit oder Störung ist kein Merkmal des Verhaltens, sondern Bewertung von einem oder mehreren Beobachtern
Gibt keine objektiven Maßstäbe, sondern gesellschaftliche Normen und Werte, Ideen einer Kultur, Forderungen und Erwartungen an bestimmte Kompetenzen von Kindern
Bezeichnet Erwachsener Kind als verhaltensauffällig -> vielleicht er selbst erwartungsauffällig oder erwartungsgestört?
Card 3
Question
Mögliche Bewertungsmaßstäbe
Answer
Kulturelle Bedingtheit
Individuelle und kollektive Bewertungen
Card 4
Question
Kulturelle Bedingtheit
Answer
Keine objektiven Maßstäbe -> Herstellung einer Meinungsübereinstimmung in einer Kultur, was normal bzw. auffällig ist; wichtig, damit Kind lernt, in einer Kultur zu leben à Bewusstsein: gibt kein eindeutiges Richtig oder Falsch, das sind Beschreibungen von Beobachtern; wir sind immer Beobachter unserer selbst; Kinder oftmals die strengsten Beobachter ihres Verhaltens -> oft gravierende Selbstwertproblematik -> weitere Verhaltensprobleme
Card 5
Question
Individuelle und kollektive Bewertungen
Answer
Bei Beobachtung von störendem Verhalten neigen wir zu „Diagnosen“ (z.B. Konzentrationsstörung, Essstörung, Schlafstörung u.ä.); kann hilfreich und nützlich sein, um Thema abzustecken und Erfahrungen auszutauschen, verführen aber zu der Annahme, wir wissen wovon wir sprechen, täuschen Eindeutigkeit und Sicherheit vor (braucht man, weil auffälliges Verhalten über längere Zeit löst Unsicherheit aus); ABER Begriffe sind Abstraktion; fassen unterschiedliche Verhaltensweisen zusammen, die bei Einzelfällen in bestimmten Situationen bzw. Personen auftreten -> müssen ganz genau erfragt und betrachtet werden
Card 6
Question
Auffälliges Verhalten zuordnen und verstehen - Überschriften
Answer
Situative Bedingtheit
Spielregeln
Keine Eigenschaften
Opfer und Täter
Wiederholungszwang
Gewohnheitsbildung
Unterschiedliche Erklärungsmodelle
Verhalten begründen
Problemdialoge
Card 7
Question
Situative Bedingtheit
Answer
Im Zusammenhang des Verhaltens seiner wichtigsten Interaktionspartner ist menschliches Verhalten am besten zu verstehen (Beispiel Fußball – wäre seltsam ohne den Zusammenhang); Verhalten Einzelner bezieht sich immer irgendwie auf andere; à Beziehungspartner bedingen Verhalten von Einzelnen ABER verursachen es nicht (in unterschiedlicher Bedeutsamkeit – Kind ist autonom und eigenständig, nicht beliebig manipulierbar)
Card 8
Question
Spielregeln
Answer
Im Umgang untereinander entwickeln sich nach einer Zeit Regeln, die Verhalten Einzelner bestimmen (Familie, Schule, Peer Group, …); Regeln meist unausgesprochen und unbewusst, selten offen verhandelt ABER steuern Verhalten von Beteiligten; Spielregeln und Verhaltensmuster müssen ständig den Bedingungen angepasst werden (z.B. im Reifungsprozess); wenn das nicht passiert à z.B. Familie: familiäre Spielregeln passen nicht mehr -> bedingender Faktor für auffälliges Verhalten
Card 9
Question
Keine Eigenschaften
Answer
Oft vergessen wir, dass Verhalten immer in Situationen auftritt und in situativen Zusammenhängen zu verstehen ist (vor allem in der Sprache, z.B. jemand ist schlecht, gut o.ä.) statt Formulierung „verhält sich in bestimmter Situation oder Beziehung …“ à Tragen durch Sprache zur Aufrechterhaltung bestimmter Verhaltensweisen bei (denken in „Ich bin …“); wecken Überzeugung, dass Verhalten nicht zu ändern ist; bei oftmaliger Zuschreibung negativer Eigenschaften à Resignation („Wenn alle sagen, dass ich so bin, verhalte ich mich auch so“); selten ausgesprochen, langer Prozess, sie zu anderem Verhalten zu bewegen
Card 10
Question
Opfer und Täter
Answer
Mensch ist niemals nur Opfer (z.B. wegen schlimmer Lebenserfahrungen), sondernd immer auch Täter (verantwortlich Handelnder); nur als Opfer sehen = Würde als autonomer Mensch berauben; nur als Täter sehen = Macht von Strukturen und Situation von Umgebung sowie Tatsache dass Verhaltensgewohnheiten nur langsam ändern missachten; es kann weder „Es könnte wenn es wollte“ noch „Es will aber es kann nicht“ geben; um Kind gerecht zu werden -> in jeder Situation beide Aspekte (mit unterschiedlicher Gewichtung) beachten (schwierig…)
Card 11
Question
Wiederholungszwang
Answer
Möglich, dass Kind unbewusst durch Verhalten Situationen ähnlich gestaltet und andere Personen zu ähnlichen Reaktionen veranlasst, die wiederum unerwünschtes Verhalten hervorrufen (z.B. mürrisches Gesicht à weniger Kontaktaufnahme von anderen à wird als Ablehnung gewertet à vermehrt aggressives Verhalten); andere schaffen wiederum unbewusst oft Situationen, durch die sich das Kind (z.B. wegen sozialen, psychischen und intellektuellen Fähigkeiten) abgelehnt fühlt -> aggressives Verhalten; alle Teilnehmer einer Situation sind Mitgestalter, schaffen Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume für andere; unerwünschtes Verhalten kann rasch verschwinden, wen ALLE Beteiligten Verhalten ändern; je weniger Personen innerhalb des Systems sich mit dem Thema befassen, desto hartnäckiger kann es bestehen bleiben
Card 12
Question
Gewohnheitsbildung
Answer
Auffälliges Verhalten ist manchmal zu bestimmten Bedingungen entstanden, als angemessene Reaktion auf eine Situation und blieb trotz veränderter Situation bestehen -> hat Funktion in Bezugssystem erhalten, wodurch es bleibt; Muster an Aktionen und Reaktionen hat sich gebildet, Ausstieg sehr schwer; wenn eine Person aussteigt (muss nicht Person mit auffälligem Verhalten sein), kann es zum Verschwinden kommen
Card 13
Question
Unterschiedliche Erklärungsmodelle
Answer
Übertragung von Maschinen -> Neigung zur Ursachensuche, um Maßnahmen zur Verhaltensänderung ableiten zu können; ungeeignet! Können nicht die eine „wahre“ Ursache finden; menschliches Verhalten folgt nicht-linearen Gesetzmäßigkeiten -> unmöglich, von Ist-Zustand auf Anfangsbedingungen zu schließen; Lebensgeschichte auch wahnsinnig komplex und nicht kalkulierbar, man kann bestenfalls Hypothesen aufstellen; selbst bei Findung einer Ursache (z.B. Vernachlässigung) können wir sei nicht rückgängig machen; Dennoch kann es hilfreich sein, Lebensbedingungen genau zu betrachten, um Verständnis zu entwickeln, plausible Erklärungen zu finden & in der Arbeit zu nutzen ABER niemals glauben, man habe die wahre Ursache entdeckt (würde die Auswahl der Maßnahmen einschränken)
Card 14
Question
Verhalten begründen
Answer
Oftmals stellt man Frage an Kind, warum es etwas gemacht hat (Antwort meistens „Ich weiß es nicht“); Müssen davon ausgehen, dass Kind es wirklich nicht weiß; größter Teil unseres Verhaltens erfolgt nicht bewusst; Erwachsenen hilft (Er-)Findung einer Erklärung, Kinder können das noch nicht -> Überforderung durch Frage nach Warum; wir sollten selbst misstrauisch sein, bei Begründung unseres Verhaltens, sind nicht vor Irrtümern gefeit;
Card 15
Question
Problemdialoge
Answer
Wir denken oft, wir müssen über Problem reden, um es zum Verschwinden zu bringen; tatsächlich oft das Gegenteil der Fall -> durch ständiges Ansprechen wird das Problem im Erleben immer größer und bedeutsamer; Kind wird genervt, Erwachsenen frustriert (!“Problem-Trance“: ganzes Leben fühlt sich durch Problem bestimmt); besser: über Zeiten sprechen, wo das Problem nicht aufgetreten ist -> Lösungsdialoge („Lösungs-Trance“: durch Aussicht auf positive Zukunft geprägte Atmosphäre)
Card 16
Question
Lösungen anregen und möglich machen - Grundpunkte
Answer
Raum für neues Verhalten schaffen
Ausnahmen suchen
Sprachliche Disziplin
Spielregeln ändern
Sinn oder Funktion des Verhaltens
Lösungsdialoge
Card 17
Question
Lösungen anregen und möglich machen
Answer
Grundsätzlich: Menschen können nicht zielgerichtet von anderen zu bestimmten Verhalten veranlasst werden; Eigenart des Kindes bestimmt wesentlich über Ergebnis der erzieherischen Maßnahme; Erzieherische Intervention kann Lösungen und Änderungen nur anregen und anstoßen; dann: schauen, was Impuls bewirkt, daraus Hinweise für nächste Maßnahme ableiten; klare Forderungen an das Kind formulieren, deutliche Grenzen setzen; ABER: Erziehen ist immer gleichwürdige Begegnung zwischen Erwachsenem und Kind
Card 18
Question
Raum für neues Verhalten schaffen
Answer
Mensch verhält sich immer (wg. Im Lauf des Lebens entstandenen Eigenart & Umweltbedingungen) subjektiv angemessen und situationsadäquat; auch auffälliges Verhalten subjektiv beste Lösung angesichts von persönlichen und situativen Bedingungen; Kind kann Verhalten nicht aufgeben, ohne dass sich Persönlichkeitsbedingungen bzw. Bezugspartner ändern; trotzdem darf Erwachsene gewisses Verhalten für sozial inakzeptabel erklären und Änderung fordern (z.B. aggressives Verhalten); gleichzeitig Kind zu verstehen geben, dass Verhalten derzeit für Kind subjektiv angemessen ist; so wird die Würde des Kindes gewahrt, ohne von Forderung abzugehen; Fragestellung: welche Änderungen im Lebensumfeld sind für das Kind notwendig, welches andere, neue Verhalten muss das Kind lernen, mit dem es das alte ersetzen kann;
Card 19
Question
Situative Bedingungen ändern
Answer
Verhalten ist immer abhängig vom Verhalten der wichtigsten Partner in jeweiliger Situation à auffälliges Verhalten niemals gleich, situationsabhängig ausgeprägt; durch Beobachtung der Unterschiede à Hinweise, welche situativen Bedingungen geändert werden sollten, um unerwünschtes Verhalten zu reduzieren; Unkonventionelle Fragen können helfen: Was müsste man tun, damit das unerwünschte Verhalten noch öfter auftritt? Wer könnte wie für weitere Eskalation Sorgen? Wer am besten, wer am Schlechtesten?
Card 20
Question
Ausnahmen suchen
Answer
Wann tritt unerwünschtes Verhalten nicht/weniger auf? Was sind dann situative Faktoren? Dient nicht nur dazu, Ansatzpunkte zur Änderung zu finden, sondern zur Feststellung, dass das Problem manchmal nicht so groß ist, das unerwünschte Verhalten nicht das ganze Leben bestimmt, dass es auch schöne/erträgliche Momente gibt
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