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Vormagenmotorik und Ingestapassage

Discover Vormagenmotorik und Ingestapassage : 35 flashcards with questions and answers.

Subject
Sciences / Medical science
Language of creation
German
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Cards in this set

Card 1

Question

Wie lassen sich die Kompartimente des MDT einteilen?

Answer

1. mit überwiegender Reservoirfunktion
    = langsame, auf Durchmischung ausgerichtete Motorik

  • Speicherung größerer Futtermengen in prägastrischen Reservoiren (Vormägen,Kropf) oder proximalen Teil des Magens
    -> diskontinuierliche Futteraufnahme
  • Förderung der mikrobiellen Fermentation (Vormägen, proximaler Dickdarm)
  • Eindicken des Kots um Wasser- & Elektrolytverlust zu vermeiden

2. überwiegend Transportfunktion

  • aborale Magen & Dünndarm

Card 2

Question

Mittlere Verweildauer

Answer

  • variiert stark
    -> generall aber niedriger für Flüssigkeiten, als für feste Nahrungsbestandteile
  • Fleischfressen
    - kurzer Magen-Darm-kanal 
    -> kurze Transitzeiten: feste Nahrung ca.1 Tag 
  • Herbivore
    - langer Magen-Darm-Kanal mit vor- (Vormägen) oder nachgeschalteter (Caecum Pferd) Fermentationskammer
    - Verweildauer bis mehrere Tage
  • bei Omni- & Carnivoren Verdauung + Resorption innerhalb von 12 h möglich
    -> Phasen in denen Magen & Dünndarm weitgehend leer sind
    -> möglich durch Reinigungskontraktionen (Riesenkontraktionen/migrierende Motorkomplexe)

Card 3

Question

Welche Motorikmuster lassen sich unterscheiden?

Answer

  1. digestive Motorik
    = während Nahrungsaufnahme
  2. interdigestive Motorik
    = in Verdauungsruhe, verhindert mikrobielle Besiedelung des Dünndarms

-> bei Herbivoren kontinuierliche Nahrungsaufnahme, daher Überlagerung von digestiver & interdigestiver Motorik

Card 4

Question

Interstitielle Zellen nach Cajal (ICC)

Answer

= Schrittmacherzellen in Magen- & Darmwand

  • befinden sich in glatten Muskelzellen zwischen 
    - Längsmuskulatur & Serosa
    - Längs- & Ringmuskulatur
    - in Ringmuskulatur
  • erzeugen unterschwellige Slow-waves-Potentiale
  • da Eigenfrequenz von oral nach aboral abnimmt, kann gerichtete Kontraktion erfolgen
  • kommt es durch zusätzliche erregende Einflüsse (zB Hinzukommen von Nerotransmittern -> Acetylcholin) zum Überschreiten des Schwellenwerts, entsteht ein Aktionspotential mit niedriger Amplitude
  • Übertragung des Aktionspotentials auf Muskelzellen über Gap Junctions 
  • im Dünndarm deutlich höhere Frequenz der slow-waves 
    -> außerdem geringerer elektrischer Widerstand, daher weitere Ausbreitung möglich 
    -> aber Ausbreitung slow-waves nur über wenige Zentimeter, dann kollidieren mit slow-wave aus benachbartem Darmsegment

Card 5

Question

Slow-waves

Answer

= periodische Schwankung des Ruhepotentials in den Cajal-Zellen

  • partielle Depolarisationen breiten sich wellenförmig über Gap-Junctions aus 
  • Steuerung der Cajal Zellen über Ca2+ und IP3 als second messenger
    -> IP3 bindet an Rezeptoren und löst periodische Freisetzung von Ca2+ aus
    -> dadurch Änderung des Membranpotentials um 5-15 mV
  • Ausbreitung über Gap Junctions in angrenzende Myozyten & Caja-Zellen
    -> halten Depolarisation aufrecht
  • Slow-Wave-Potential alleine zu gering, um AP auszulösen
    -> erreicht es jedoch eine Muskelzelle, die zusätzlich durch Neurotransmitter stimuliert wurde, Auslösung AP
    -> Muskelkontraktion
  • Kontraktion = Grundlage der Peristaltik, werden durch Slow-waves koordiniert und synchronisiert
  • Dünndarm: 10-20x/Minute
  • Magen und Dickdarm: 3-8x/Minute 

Card 6

Question

Wie haben sich Wdk. im Laufe der Evolution hinsichtlich cellulosereichen Futters entwickelt?

Answer

  • besonders effiziente Nutzung von Gräsern
  • ältere Gräser haben hohen Anteil an Gerüstsubstanzen (Cellulose) und geringen Anteil an Proteinen
    -> eigentlich qualitativ minderwertiges Futter
  • ß-glykosidische Bindung in Cellulosemolekül kann von Säugetieren nicht gespalten werden (fehlendes Enzym)
  • Wdk mit Mikroorganismen in Fermentationskammer, die Verbindung aufspalten können
    -> je länger die Verweildauer, desto besserer Abbau durch MO
  • Wdk können so auch cellulosereiches Futter gut verwerten

Card 7

Question

Grundmuster der Hauben-Pansen-Motorik

Answer

= regelmäßige, stereotype Kontraktionssequenzen

-> erfassen nacheinander verschiedene Anteile von Haube & Pansen

-> A- (primärer) & B - (sekundärer) Zyklus

Card 8

Question

A-Zyklus

Answer

-> Ausbreitung von kranial nach kaudal 

1. biphasische Haubenkontraktion

  • 1. Kontraktion: Haube verkleinert sich auf Hälfte ihrer eigentlichen Größe
    -> große, leichte Partikel nach caudo-dorsal
    -> Flüssigkeit teilweise in Pansenvorhof
  • teilweise Relaxation
  • 2. Kontraktion, unmittelbar an Relaxation: stärker als 1., lässt Lumen nahezu vollständig verschwinden
    -> auf Maximum der Konzentration Öffnung der Hauben-Psalter-Öffnung, Ingesta in Psalter

2. Kontraktion des Pansenvorhofs

  • Rückfluss der Ingesta in sich relaxierende Haube

3. Kontraktion dorsaler Pansensack & dorsaler Blindsack

  • von kranial nach kaudal 
  • gleichzeitig ringförmiges Zusammenziehen aller Pansenpfeiler und Bewegung nach dorsal
  • Umwälzen grobstrukturiertes Futter
    -> kleine Partikel nach ventral
    -> dorsale Gasblase wird nach cranial geschoben, evtl. Ruktus

4. Kontraktion ventraler Pansensack & ventraler Blindsack

  • von kranial nach kaudal
  • gleichzeitig ringförmiges Zusammenziehen aller Pansenpfeiler und Bewegung nach ventral
  • Flüssigkeit mit kleinen Partikeln nach dorsal gepresst
    -> über kranialen Pansenpfeiler in Pansenvorhof

Card 9

Question

B-Zyklus

Answer

-> ohne Beteiligung von Haube und Pansenvorhof
-> läuft von kaudal nach kranial

  1. Kontraktion dorsaler Blindsack
     
  2. Kontraktion ventraler Blindsack

-> Kontrakton ventraler Blindsack ist Ende des A-Zyklus, nicht Teil vom B-Zyklus!

Card 10

Question

Wie ist die Frequenz von A- und B-Zyklus?

Answer

in Ruhe 3:1

nach Futteraufnahme 1:1

-> beim gesunden Rind 3 Kontraktionen in 2 Minuten

Card 11

Question

Worüber wird die Hauben-Pansen-Motorik reguliert?

Answer

  • über vagovagale Reflexe, vermittelt über Reflexzentrum im Stammhirn -> Reflexbogen
  • ENS nur untergeordnete Bedeutung 

Card 12

Question

Bestandteile Reflexbogen Hauben-Pansen-Motorik

Answer

  • Rezeptoren in Maulhöhle, Wand Vormagen, Labmagen und Duodenum
  • afferente Nervenfasern, verlaufen über Bahnen des N. vagus (zT auch N. splanchnicus)
  • paariges, bilaterales Magenzentrum in Medulla oblongata
  • efferente Nervenfasern, verlaufen über Bahnen des N. vagus
  • glatte Muskulatur der Vormagenwand 

-> wichtigste Rezeptoren = in Wand Haube & Pansen

Card 13

Question

Spannungsrezeptoren Hauben-Pansen-Reflexbogen

Answer

  • tief in glatter Muskulatur
  • langsame Adaption
  • v.a. in Haube, Cardia, Hauben-Pansen-Falte und kranialem Pansenpfeiler
  • reagieren auf
    - passive Dehnung der glatten Musklatur durch Ingesta
    - aktive Dehnung der Wand während Kontraktionen

Card 14

Question

Epitheliale Rezeptoren Hauben-Pansen-Reflexbogen

Answer

  • oberflächlich direkt unterhalb der Basalmembran der Epithelzellen
  • v.a. in Haube und Bereich Pansenpfeiler
  • schnelle Adaption
  • reagieren auf unterschiedliche Reizqualitäten
  • chemo- & mechanosensitiv
    -> Reaktion auf Dehnung und Änderung der ruminalen Konzentration an kurzkettigen Fettsäuren

Card 15

Question

Serosale Rezeptoren Hauben-Pansen-Reflexbogen

Answer

  • in Serosa, v.a. am Ansatz Mesenterium
  • durch Dehnung der Vormagenwand aktiviert
  • Projektion über N.splanchnicus
  • indirekt hemmende Wirkung auf Hauben-Pansen-Motorik

Card 16

Question

Ablauf Reflexbogen Hauben-Pansen-Motorik

Answer

1. Aufnahme von verschiedenen Reizen, je nach Rezeptor

  • Maulhöhle = buccale Mechanosensoren
    -> Futteraufnahme
  • Labmagen & Duodenum = mechano- & chemosensitive epitheliale Rezeptoren
    -> Dehnung & pH Wert Änderung
  • Vormägen = Spannungsrezeptoren, epitheliale Rezeptoren
    -> Dehnung, Veränderung Konzentration kurzkettige FS

2. Weiterleitung der Reize

  • buccale Sensoren = N. trigeminus
  • Spannungs- & epitheliale Rezeptoren = N. vagus

3. Magen-/Speichelzentrum Medulla oblongata

  • Zulauf der Reize aller Rezeptoren
  • Integration von hemmenden & erregenden Signalen aus Peripherie und höheren Zentren des ZNS
  • über A-,B- und C-Neurone Erregungsbildung, die Freuquenz, Form und Amplitude der A- und B-Zyklen bestimmt
  • über efferente vagale Fasern Erregung zu Vormägen

Hemmende Einflüsse

  • ZNS: Schmerz, Fieber, Sättigung, Schlaf
  • Vormägen: Anstieg SCFA, starke Dehnung
  • Labmagen: Dehnung, hoher pH
  • Duodenum: niedriger pH

Erregende Einflüsse

  • ZNS: Futteraufnahme, niedrige Umgebungstemperatur, Melken
  • Maulhöhle: Futteraufnahme
  • Vormägen: mäßige Dehnung
  • Labmagen: niedriger pH

Card 17

Question

Psalter-Motorik

Answer

- unterteilt sich in Motorik des Psalterkanals und Psalterkörpers

- Motorik Psalterkanal = enge Beziehung zu Hauben-Pansen-Motorik

- Psalter = Saug-Druck-Pumpe

1. Psalterkanal

  • Erweiterung auf Höhe der zweiten Haubenkontraktion
  • bei offener Hauben-Psalter-Öffnung wird Ingesta aus Haubenboden durch Psalter angesaugt
    -> Saugphase
  • Verschluss der Hauben-Psalter-Öffnung
  • Kontraktion Psalter drückt Ingesta zwischen Psalterblätter
    -> Druckphase

2. Paslterkörper

  • Latenz von etwa 10 s
  • langsam zunehmende Kontraktion von oral nach aboral
  • Ingesta wird aus Psalterkörper in Richtung Psalter-Labmagen-Öffnung gepresst
  • vollständige Relaxation des Pansenkörpers 
    -> unmittelbar vor nächster biphasischen Haubenkontraktion

-> H-P-M und Motorik Psalterkörper nicht streng koordiniert, d.h. teils für mehrere H-P-Kontraktionszyklen keine PK-Kontraktion (v.a. bei Rind)

-> Regulation der PM = primär lokal (intrinsische Kontraktionen), d.h. nach Vagotomie oder Anästhetika bleibt PM nahezu unbeeinflusst, da weitgehend unabhängig von N.vagus

-> Beeinflussug der PM durch Zusammensetzung und Menge der Ingesta

Card 18

Question

Funktionelle Bedeutung Wiederkauen

Answer

  1. durch Wiederkauen Zerkleinerung großer Partikel
    -> führt zur Oberflächenvergrößerung, sodass mehr MO an die Partikel ansetzen können
    = Voraussetzung für intensive mikrobielle Besiedlung und Abbau von Zellinhaltsstoffen
    -> beeinflusst so indirekt Ausmaß der mikrobiellen Fermentation
  2. Regulation des Milieus im Reticulorumen
    -> durch Wiederkauen Aktivierung der buccalen Mechanosensoren
    -> erhöhter Speichelfluss
    -> da hohe Bicarbonatkonzentration im Speichel Vermeidung von Übersäuerung des Panseninhalts (Pansenazidose)
  3. Ablauf Ingestapassage
    -> durch Abnahme der Partikelgröße und Zunahme der Partikeldichte

Card 19

Question

Wie beeinflusst die Art der Futterration die Verdauungsvorgänge?

Answer

1. Raufutterreiche Ration

  • Mikroorganismen
    - v.a. cellulolytische Aktivität
    - langsame Fermentation, niedrige Passagerate
  • Maul
    - langsame Futteraufnahme
    - Erregung buccale Mechanorezeptoren
    - Aktivierung Speichelzentrum
    - hohe Speichelproduktion
  • Magen
    - großes Pansenvolumen mit deutlicher Schichtung
    - Dehnung Reticulorumen
    - Erregung von Wandrezeptoren
    - Aktivierung Magen- & Wiederkauzentrum
  • hohe Wiederkauaktivität (8-11h/Tag) & frequente Motorik
  • pH in Panseninhalt schwach sauer 6,5-7,0

2. Kraftfutterreiche Ration

  • Mikroorganismen
    - v.a. amylolytische Aktivität
    - schnelle Fermentation, hohe Passagerate
  • Maul
    - schnelle Futteraufnahme
    - geringe Erregung buccaler Rezeptoren
    - geringe Aktivierung Speichelzentrum
    - geringe Speichelproduktion
  • Magen
    - kleines Pansenvolumen, geringe Schichtung
    - geringe Dehnung Reticulorumen
    - geringe Erregung von Wandrezeptoren
    - geringe Aktivierung Magen- & Wiederkauzentrum
  • niedrige Wiederkauaktivität (2-5h/Tag) & Pseudowiederkauen, schwache Motorik
  • pH in Panseninhalt sauer 5,5-6,0

Card 20

Question

Wie wird Wiederkauen ausgelöst?

Answer

  • durch Stimulation der epithelialen Rezeptoren in Mucosa von Haube und Pansenvorhof
    -> zB durch Berührungen der Schleimhaut von groben Futterpartikeln 
    -> deshalb bei kraftfutterreichem/gemahlenem Futter weniger Wiederkauen
  • Projektion der Rezeptoren über vagale Fasern zu Wiederkauzentrum in Medulla oblongata
    -> bei Vagotomie daher kein Wiederkauen mehr!

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