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Vormagenmotorik und Ingestapassage

Discover Vormagenmotorik und Ingestapassage : 35 flashcards with questions and answers.

Subject
Sciences / Medical science
Language of creation
German
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Cards in this set

Card 21

Question

Pseudowiederkauen

Answer

= Rejektion eines Bolus ohne rhythmische Kaubewegungen im Anschluss

-> v.a. bei Fütterung von strukturarmen Rationen

Card 22

Question

Was führt zur Hemmung des Wiederkauens?

Answer

Wiederkauen setzt Mindestmaß an Wohlbefinden voraus

-> Stress, Schmerzen und Fieber hemmen Wiederkauaktivität

-> Wiederkauen daher guter Indikator für Wohlbefinden & Gesundheit des Tieres

Card 23

Question

Ablauf Wiederkauzyklus

Answer

1. Rejektionskontraktion

  • ​zusätzliche Kontraktion der Haube vor biphasischer Haubenkontrakion des A-Zyklus
  • Ingesta aus Haube und Pansenvorhof werden vor Cardia gehoben 
    -> unterer Sphincter der Cardia dabei geöffnet
  • zeitgleich/kurz vor Rejektionskontraktion: Inspiration bei angehobenem Gaumen
    -> durch angehobenen Gaumen Lufteinstrom über Luftwege erschwert
    -> Entstehung Unterdruck im thorakalen Bereich des Ösophagus durch Expansion des Brustkorbs

2. Transport Bolus

  • durch Unterdruck Ansaugen des Bolus in Ösophagus
  • schnelle, antiperistaltische Kontraktion des Ösophagus
    -> Bolus in Maulhöhle 
  • dabei kurzfristiges Schließen der Epiglottis, damit Bolus nicht in Trachea

3. Wiederkauen

  • durch Anheben der Zunge auspressen der Flüssigkeit aus Bolus
    -> wird direkt wieder abgeschluckt
  • durch regelmäßige Kieferschlägen zerkleinern des Bolus
  • nach etwa 50 Kieferschlägen (1 Minute) wird Bolus abgeschluckt -> Zyklus beendet
  • nach 5-10s neuer Wiederkauzyklus

-> bei Wiederkauen Speichelsekretion mehr als verdoppelt
-> Synchronisation von Rejektionskontraktion, Verschluss Luftwege und Ösophagusaktivität nötig, vermutlich über Hypothalamus gesteuert

Card 24

Question

Ructus

Answer

  • während mikrobieller Fermentation entstehen Gase, v.a. CO2 und CH4 (Methan)
  • Sammeln sich in Gasblase im dorsalen Pansensack an
  • pro Tag zwischen 500 und 1500l
  • Abgabe über Ructus zwingend notwendig
  • vago-vasaler Reflex, 1-2x/Minute

Ablauf

  • Vorschieben der Gasblase vor die Cardia während Kontraktion des dorsalen Pansensacks während B-Zyklus
  • Aktivierung von Rezeptoren in Cardia Umgebung
  • Öffnung der Cardia, Gas strömt in Ösophagus
  • über antiperistaltische Kontraktion gelangt Gas nach oral
  • da Gaumensegel Nasen-Rachen-Raum verschließt und Maul geschlossen ist gelangt Gas über Luftröhre in Lunge
    -> teilweise Resorption des CO2
    -> über Chemorezeptoren (erhöhter pCO2) vorübergehende Hyperventilation
    -> Gase werden abgeatmet

Card 25

Question

Was passiert bei einer Störung des Ructus?

Answer

zunehmendes Aufgasen der Tiere (Tympanie)
-> zB durch Schlundverstopfung
-> Atem- & Kreislaufstörungen, v.a. durch Vordrängen des Zwerchfells 

erhöhte Gasproduktion durch Fütterung leicht fermentierbaren Futters führt nicht zu Tympanie!

-> Voraussetzung für Ruktus: Cardia darf während Kontraktion dorsaler PS nicht von Ingesta bedeckt sein, öffnet sich dann nicht
-> Ructus in Seiten-/Rückenlage daher erschwert oder gar nicht möglich
-> Operation bei Rindern daher idR im Stehen unter Lokalanästhesie

Card 26

Question

Was ist der Haubenrinnenreflex?

Answer

Vormagensystem bei Kälber in ersten Wochen noch klein, wenig/gar nicht mit MO besiedelt und praktisch funktionslos -> Kalb = funktioneller Monogastrier

Nahrungsquelle in ersten Wochen = Milch der Mutter
-> Verwertung der Milch über Gerinnung des Caseins unter Einwirkung Labferment und Salzsäure
-> daher muss Milch ohne Verzögerung in Labmagen
-> Haubenrinnenreflex

= reflektorisch asugelöste spiralige Drehung der beiden Haubenlippen mit gleichzeitiger Relaxation von Hauben-Psalter-Öffnung und Psalterkanal 

= funktioneller Bypass zwischen Ösophagus und Labmagen

 

Card 27

Question

Wie wird der Haubenrinnenreflex ausgelöst?

Answer

Reflexbogen

  • Aktivierung von Chemorezeptoren in Maulhöhle und Pharynx durch aufgenommene Milch
  • vagale Afferenzen über N. glossopharyngeus
  • Medulla oblongata
  • dorsale Bauchvagus als efferente Reflexbahn

-> Reflex ist durch andere sensorische Stimuli konditionierbar

Card 28

Question

Wieso verschwindet der Haubenrinnenreflex mit der Zeit?

Answer

durch zunehmende Aufnahme von Raufutter und die progressive Entwicklung des Vormagensystems

-> dann nicht mehr nötig

Card 29

Question

Haubenrinnenreflex Klinik

Answer

Pansensäufer

  • durch unphysiologische Fütterungsmethoden oder Erkrankungen
  • vollständiger oder teilweiser Ausfall des HRR
  • Milch gelangt dann statt direkt in Labmagen in Pansen
  • durch mikrobielle Fermentation der Milch 
    -> Entzündung Pansenschleimhaut
    -> u.U. schwerwiegende Verdauungsstörung

Card 30

Question

Schichtung Ingesta im Reticulorumen

Answer

durch unterschiedliche physikalische Eigenschaften der Futterpartikel (Größe, Form, Dichte)

  • dorsaler Pansensack mit grober, weniger zerkleinerter Ingesta
    -> Pansenmatte
  • darüber Gasblase
  • ventraler Pansensack mit kleineren/flüssigeren Partikeln 
    -> Pansensee

Card 31

Question

Wie ist die Verweildauer von Futterpartikeln und Flüssigkeiten im Reticulorumen?

Answer

Futterpartikel = 18-72h

Flüssigkeit = 12h

 

Card 32

Question

Wovon ist die Verweilzeit der Ingesta abhängig?

Answer

  • Volumen des Reticulorumens 
    = Poolgröße
    -> kann 20-30% (30% aber extrem) des Körpergewichts ausmachen
    -> hohe Futteraufnahme erfordert möglichst großes Volumen
    -> bei langer Verweildauer Aufnahme durch limitiertes Volumen begrenzt
  • Höhe der Futteraufnahme
  • Abbaurate des Futters

-> Verdaulichkeit = Verhältnis zwischen Abbau- & Passagerate

Card 33

Question

Entmischungsvorgänge der Ingesta

Answer

  • laufen während Haubenkontraktionen ab
  • basieren auf unterschiedlichen Flotations- & Sedimentationsverhalten der Ingestapartikel
  1. wenig abgebaute Partikel
    = groß, niedrige Dichte
    - flotieren überwiegend
    - durch Haubenkontraktion Transport nach dorsokaudal
    - effektives Zurückhalten wenig verdauter Partikel
  2. weitgehend verdaute Partikel
    = klein, hohe Dichte
    - verbleiben während Kontraktion in Hause
    - werden bevorzugt auf Maximum der 2. HK in Psalterkanal angesaut

-> nicht Größe ist entscheiden, wo Partikel hintransportiert werden, sondern Dichte! Nur bei ausreichend hoher Dichte verbleiben die Partikel während Konzentration im ventralen Teil der Haube

Card 34

Question

Fremdkörpererkrankung

Answer

= pathophysiologische Störung der Entmischungsvorgänge durch Aufnahme von Fremdkörpern (Nägel, Schrauben, Draht) mit Futter
-> v.a. bei Rindern, da keine selektive Futteraufnahme

  • Fremdkörper gelangen nach Abschlucken in Haube
  • bei Haubenkontraktion hohes Risiko der Perforation der Haubenwand
    -> Entstehung lokaler Entzündung = Reticuloperitonitis traumatica
  • Beweglichkeit der Haube eingeschränkt
    -> trotz niedriger Dichte verlassen auch große Futterpartikel Reticulorumen
    -> deutlich erhöhter Anteil an großen Futterpartikeln im Kot

-> viele Landwirte geben ihren Rindern Magneten, die Fremdkörper binden und Perforation so verhindern

Card 35

Question

Verweilzeit Ingesta Psalter & Labmagen

Answer

  • Psalter = 0,5-3h
    -> Futterpartikel werden länger zurückgehalten als Flüssigkeiten
  • bei Wdk in Labmagen fließende Ingesta nur aus Flüssigkeit, MO und kleinen Partikeln
    -> Zufluss kontinuierlich
  • Labmagen = >1h 
    -> aber wesentliche Volumenzunahme durch Sekretion

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