Speicherfunktion: ermöglicht fermentative Verdauung und Eindickung des Kotes
Transportfunktion: Transport des Chymus nach aboral mit sequenziellem Nährstoffentzug → Ausscheidung unverdaulicher Nahrungsbestandteile und Fermentationsgase
Durchmischung des Darminhaltes: Chymus mit Sekreten aus Pankreas und Galle, vermischen für optimale Verdauung
Verdaute Nährstoffe in Kontakt mit resorbierenden Epithelien bringen: membranale Phase der enzymatischen Verdauung (Dünndarm) und Resorption kleinmolekularerer Nahrungsbestandteile (Dünn- und Dickdarm)
Card 2
Question
Welche Motilitätsmuster gibt es und welche Funktionen haben sie jeweils?
Answer
Dünndarmmotilität:
Kontraktionsformen = Misch- oder Transportbewegungen
Mischbewegungen: Durchmischen der Nahrung
Segmentationen (= stationäre Kontraktionen)
Kontraktion der Ringmuskelschicht der Tunica muscularis in benachbarten, schmalen Regionen, die das Lumen vollständig verschließen, dazwischen befinden sich nicht kontrahierte Zwischenräume → perlschnurartige Einschnürungen des Darmrohres
Stationär, d.h. sie wandern nicht
Funktion: Durchkneten des Darminhaltes, Verzögern der Darmpassage (Mehr Zeit für Verdauung und Resorption)
Peristaltische Wellen (=Kontraktionsgruppen)
Über sehr kurze Distanzen fortgeletet
Darminhalt wird kurz angehoben und gleitet in erschlaffendes Darmsegment zurück → KEINE Fortbewegung, Vorgang fundet wiederholt am selben Darmsegment statt (→ Kontraktionsgruppen)
Stationäre Kontraktionsgruppen im prox. Dünndram
Wandernde Kontraktionsgruppen langsam Richtung aboral → deutlich nach Aufnahme fettreicher Nahrung
Intrinsisch durch ENS verschaltete Kontraktionsabfolgen, die durch extrinsische Signale getriggert werden
Unterschiede zu peristaltischen Wellen: laufen ohne slow waves der Cajal-Zellen ab, kräftischer, schreiten langsamer fort
Treten physiolgisch nur am Ileum des Schweines auf, Typisch für Diarrhoe
Funktion: durch Verschluss des Darmlumens wird der Darminhalt über große Strecken fortgeschoben
Phase III der interdigestiven Motorik / des MMC (migrirender motorischer Komplex)
Hochfrequente peristaltische Wellen von oral nach aboral
Funktion: Vorwärtsbewegungen des Drminhalts und Putzfuktion → letzte Reste im Darm nach Distal
Dickdarmmotilität
Mischbewegungen
Peristaltik / Antiperistaltik
Antiperistaltische Wellen (hier physiologisch) im proximalen Colon
Peristaltische Wellen im distalen Colon
Funktion: wechselnde peristaltische und antiperistaltische Wellen mit geringer Frequenz und Einschnürungstiefe → Durchmischung & lange Verweildauer des Chymus
Für lange Verweildauer und intensive Durchmischung des Darminhaltes
= Aussackungen der Darmwand, die an Taenien (Verdickung der längsmuskulatur) aufgereiht sind
Keine fixen Strukturen (Kontraktion / Erschlaffung einer Verdickten Ringmuskelstelle
Segmentationsbewegungen
Ersetzen Haustrenbewegungen in distalen Dickdarmabschnitten oder solchen ohne Haustrierung
Nach anal wandernd, länger anhaltend als im Dünndarm
Funktion: Durchmischung und Weitertransport des Darminhalts
Riesenkontraktionen:
Physiologisch am Colon
Kräftige Kontraktionswellen Richtung Rektum
Darminhalt kann auf einmal 1/3 der Colonlänge zurücklegen
Auslöser: Magendehnung bei Nahrungsaufnahme, prandiale/postprandiale Nährstoffrezeption bzw Hormonausschüttung im Magen (Gastrin) und Duodenum (CCK) → gastrocolischer Reflex (rasche Colonfüllung)
Pathologische Formen:
Aborale Riesenkontraktionen im prox. Darm nach starken Reizen oder distaler Gastrektomie
Orale Riesenkontraktionen im prox. Darm als Vorläufer des Erbrechend
Antiperistalitische Wellen: im prox. Teil nach Magenresektion
Card 3
Question
Erklären sie die Unterschiede zwischen glatter Muskelzelle und Skelettmuskel
Answer
glatter Muskel
Skelettmuskel
kurze, spindelförmige oder gekreuzte Fasern
lange, zylindrische oder parallele Fasern
ohne motorische Endplatte
mit motorischer Endplatte
ein zentraler Kern
viele randständigen Kerne
kaum sarkoplasmatisches Reticulum
viel sarkoplasmatisches Reticulum
viel extrazelluläres Ca2+
kein extrazelluläres Ca2+
wenig ATPase
viel ATPase
Aktivierung über Dehnungsreize
Aktivierung über Aktionspotentiale
Innervation: Varikositäten
Innervation: alpha-Motoneurone
Card 4
Question
Wie erfolgt die elektromechanische Kopplung im quergestreiften Muskel und glatten Muskel?
Answer
Quergestreifter Muskel
Ausbreitung des elektrischen Signals entlang des Sarkolemms der Muskelfaser
⇒ Umsetzung elektrisches in chemisches Signal im Kontaktbereich von L- und T-System (DHPR u. Rhianodinrezeptoren) → Calcium Freistzung aus SR ins Cytosol → Kontraktion: Filamentgleiten, Querbrückenzyklus
Kein Calcium aus dem EZR
Glatter Muskel:
Depolaisation der Muskelzellmembran à öffnen von spannungsabhängigen Ca2+ Kanälen + Bildung des second messengers IP3
IP3 an entsprechende Rezeptoren des SR → aktivierte intrazelluläre ca2+-Freisetzung
Calcium bindet an Calmodulin (Regulatorprotein)
Ca2+-Calmodulin-Komplex → beeinflusst Aktin und Myosin
⇒ Aktin-Myosin-Bindung → Querbrückenzyklus und Filamentgleiten ähnlich des Skelettmuskels
Card 5
Question
Bei glatter Muskulatur wird zwischen dem „Single unit“- und „Multi unit“-Typ differenziert. Erläutern sie den Unterschied
Answer
Glatte Muskelzellen vom Single-Unit-Typ sind über gap-junctions miteinander verbunden
⇒ Erregung wird von Zelle zu Zelle weiter gegeben
⇒ Erregung durch myogene Schrittmacherzellen, können vom VNS beeinflusst werden (IP3 vermittelte Ca2+-Freisetzung)
⇒ Vorkommen im Urogenitaltrakt und Magen-Darm-Trakt
Multi-unit-Typ:
⇒ nur wenige gap-junctions, fast jede Muskelzelle wird von Nerven über Varikositäten versorgt
⇒Atemwege und Blutgefäße
Card 6
Question
Wovon hängt die Größe einer funktionellen motorischen Einheit im glatten Muskel bzw im Skelettmuskel ab?
Answer
Skelettmuskel:
⇒ Versorgungsgebeit einer Nervenfaser bestimmt Größe der motorischen Einheit
Eine Nervenfaser versorgt viele Muskelfasern
Glatte Muskelzelle:
⇒ Depolarisation großer Gruppen glatter Muskelzellen
Card 7
Question
Welche Funktion haben IC-Zellen im Magen-Darm-Trakt? Was sind die sogenannten „Slow waves“?
Answer
Funktion der ICC-Zellen:
Interstitiellen Zellen nach Cajal sitzen in der Darmwand zwischen längs und Zirkulärmuskelschicht
Erzeugen elektrische Schrittmacherpotentiale, die die sog. „slow waves“ der glatten Muskulatur synchronisieren
Spontane rhytmische Membranpotentialschwankungen (-70 bis -10 mV) die durch Ca2+-einstrom über Kationenkanäle und intrazelluläre Inositol-1,4,5,-triphosphat (IP3)- abhängige Calcium-Freisetzung erzeugt werden
Voraussetzungen der myogenen Erregung ABER lösen noch kein AP aus → erst wenn auf Höhepunkt der slow waves Ach ausgeschüttet wird werden Calcium-Kanäle geöffnet → …AP
Spontane Depolarisation in plateau Phase der slow waves
Card 8
Question
Wie wird die Motilität innerhalb des Darmes abgestimmt und reguliert? Erklären Sie den peristaltischen Reflex
Answer
Enterisches NS und slow waves der Schrittmacher-Zellen steuern die Darmmotilität
ENS:
Nervenzellen des Plexus myentericus
→ hemmen nervale Kontrolle der Darmmuskulatur → verhindern, dass glatte Muskulatur des Darms bei Dehnung dauerhaft kontrahiert und das Darmrohr so passierbar macht
ENS kontrolliert über sensorische Neurone, Interneurone und Motoneurone die Aktivität der verschiedenen Effektoren
Vegetative Afferenzen ziehenmit Symp. oder Parasymp. Zum ZNS
Efferente Rückmeldungen über N. splanchnikus (symp.) und N.vagus (parasymp)
DMNV = dorsaler Motornucleus des N. vagus / NTS = Nucleus tractus soltarius
ENS kann über NO oder VIP slow waves unterschwellig halten → Kontraktionen hemmen
Gastrocolischer und peristaltischer Reflex → Füllung Darm/Magen stimuliert über Dehnungsreiz die Motorik
Peristaltischer Relflex:
Gesteuert vom Plexus myentericus des ENS
Häufigste Kontraktionsform zur Fortbewegung des Darminhalts
Durch ENS gesteuert, für propulsive Peristaltik verantwortlich
Auslöser: Dehnung der Darmwand (von mechanosensiblen myenterischen Nervenzellen erfasst) → Dehnungsrezeptoren aktivieren erregende Muskel-Motoneurone auf oraler Seite und hemmen Muskel-Motneurone auf aboraler Seite des Darminhalts → Kontraktion der Zirkulärmuskulatur hinter dem Bolus, erschlaffen vor dem Bolus → Transport nach aboral
Card 9
Question
Welche übergeordneten Einflüsse wirken auf die Darmotilität? Wie wirken sie? Welches sind die (postsynaptischen) Überträgerstoffe im sympathischen bzw. parasympathischen Nervensystem und wo sitzen ihre Rezeptoren?
Answer
VNS beeinflusst mit Sympathikus und Parasympathikus die Darmmotorik
⇒nutzt Neurone des ENS als Zwischenverstärker
Ach (parasymp. Transmitter) bindet an nikotinerge Rezeptoren des ENS → Aktivierung der Neurone
→ an Muskulatur erregende oder hemmende Wirkung, je nach innervierendem Motoneuron (mehr Kontraktionen und Erschlaffung)
Noradrenalin (Symp. Transmitter) → hemmt Motorik des Darms → Kontraktion der Sphincteren
⇒ bindet präsynaptisch an alpha2-Rezeptoren und hemmt Ach-Ausschüttung an interneuronaler Synapse und neuromuskulärer Endigung
Card 10
Question
Wie muss ein physiologisches Puffersystem für In-vitro Messungen mit intakten Geweben mindestens zusammengesetzt sein? Welche Hauptbedngungen sind dabei zu erfüllen?
Answer
Puffersystem muss den in-vivo-Bedingungen entsprechen
Wichtig:
pH-Wert (7,1-7,4): beeinflusst Enzymaktivität, Löslichkeit von Elektrolyten, regulierende Funktionen, Löslichkeit von Elektrolyten, regulierende Funktionen
Na+-K+-Verhältnis: zur Erhaltung der Pumpströme
Ca2+: zur Kontraktion als Energiequelle für die Zellen
Glucose als Energieträger für die Zellen
Card 11
Question
Wie erklärt sich die Kontraktionsfördernde Wirkung von Ach? Könnte Ach die Kontraktion auch hemmen?
Answer
Ach als Transmitter des Parasympathikus: reguliert Motilität, Sekretion und Durchblutung
⇒ nutzt enterische Nervenzellen als Zwischenverstärker
Ach bindet an nicotinerge Rezeptoren der enterischen Neurone → diese können hemmend oder aktivierend wirken
Hemmende Neurone → Freisetzung von NO und VIP → slow waves unterschwellig halten → relaxierend
Erregende Neurone → Freisetzung Ach → muskarinerge Rezeptoren → Kontraktion der Muskelzellen
Ach bindet auf der Darmmuskulatur an muskarinerge Rezeptoren (M3)
Card 12
Question
Welche Rolle spielt NO für die Aktivität der glatten Muskulatur? Wo entsteht NO?
Answer
NO = Transmitter hemmender (descendierender) Motoneurone im ENS; reguliert die Motilität
Hält slow waves der glatten Muskulatur unterschwellig
Wirkt v.a. auf die Ringmuskulatur
Bildung: an Nervenendigungen aus Arginin
Calcium-Eintrom aktiviert NO-Synthase (in den hemmenden Motoneuronen) → d.h., NO wird bei Bedarf gebildet und nicht gespeichert
NO: lipophil, Diffusion zur Zielzelle
Card 13
Question
Wie und wo wirken Atropin und Curare?
Answer
Atropin:
Parasympatholytikum der Tollkirsche (Atropa belladonna), pflanzl. Alkaloid
Kompetetiver Hemmer der Ach Wirkung
Besetzt muskarinerge Ach-Rezeptoren → verhindert Ach-Bindung → Relaxation der Muskulatur
Synthetische und halbsynthetische Parasympatholytika (z.B. Buscopan) werden als Spasmolytica eingesetzt
Curare:
Pfeilgift
Blockiert Ach-Bindung an nicotinergen Ach-Rezeptoren der motorischen Endplatte → keine Erregung der Skelettmuskelzelle (Muskellähmung)
Auf welchem Weg hemmt Noradrenalin die Kontraktion?
Answer
Sympathische Nervenendigungen setzen Noradrenalin frei à bindet an alpha1-Rezeptoren → Hemmung von Muskel und Mucosa-Aktivität
Alpha2-Rezeptoren sitzen prä- oder postsynaptisch
Präsynaptische Hemmung im Plexus myentericus
Alpha2-Rezeptoren auf cholinergen Synapsen; Aktivierung → Hemmung der Ach-Ausschüttung an interneuronaler Synapse und neuromuskulärer Endigung → Blockade der aktivierenden Wirkung der erregenden Muskelmotoneurone
Prä- und postsynaptische Hemmung im Plexus submucosus und Hemmung der Sekretion
Card 15
Question
Wie ist das enterische Nervensystem aufgebaut?
Answer
In der Wand der GIT
Plexus myentericus (zw. Längs- und Ringmusk.) → steuert Aktivität der Muskulatur und die Durchblutung des MDT
Plexus submucosus (zw. Mucosa und Ringmuskel) → Steuerung der Sekretion und der Durchblutung
3 Typen von Neuronen:
Sensorische (intrinsische) Neurone
Nehmen Reize aus MDT auf und bilden den afferenten Schenkel → entscheidend für Autonomie des MDT
Hauptsächlich Mechano und Chemorezeptoren
Interneurone
Für Verschaltung der verschiedenen Neurone untereinander → ermöglichen Kommunikation und Reflexe
Entschieden über Hemmung oder Aktivierung der Schaltkreise
Versch. Motoneurone:
Muskelmotoneurone
Über Substanz P oder Ach errengend auf Muskulatur
NO, VIP, PACAP oder ATP Darmmotorik hemmen
NANC-Hemmung (nicht adrenerg, nicht cholinerg)
Sekretomotoneurone:
fördern die Sekretion über Ach und VIP oder hemmen sie über Somatostatin und Neuropeptid Y
Vasomotoneurone:
Induzieren mit Ach und VIP eine Vasodilatation
Card 16
Question
Was passiert mit dem Membranpotential bei Zugabe einer kaliumreichen (kardioplegen) Lösung? Welche Auswirkungen hat es auf die Motilität?
Answer
Zugegebenes Kalium → Erhöhung der Kaliumkonzentration im EZR → membranpotential wird angehoben → Zellen sind leicher erregbar
Bei zu hoher Kaliumkonzentration → elektrochemischer Gradient an Zellmembran klein → K+-Ausstrom der repolarisation wird gehemmt → keine neue Erregung
Card 17
Question
Wovon hängt es ab ob die glatte Muskulatur eines Blutgefäßes bei Sympathikotonus kontrahiert oder dilatiert wird?
Answer
Rezeptor
Vasokonstriktion
Adrenalin oder Noradrenalin an alpha1-Rezeptoren
Vasodilatation
Adrenalin über beta2-Rezeptoren
Card 18
Question
Vergleichen Sie die Darmlänge verschiedener Tierarten. Welche Einflüsse bestimmen die Verweilzeit im Gastrointestinaltrakt?
Answer
Darmlänge
Mittl. Verweildauer Flüssigkeit (h)
Mittl. Verweildauer feste Partikel (h)
Katze, Hund
5fache Körperlänge
-
20-24 (Dosenfutter)
Schwein
15fache
39
40
Schaf, Ziege
25
35
39-50
Rind
20
20
55
Pferd
10
67
94
Carnivore i.d.R. kürzerer Darm → aufgenommenes Futter lässt sich leichter aufspalten bzw. abbauen (proteinreich) → kurze Verweildauer
Bei Verlauf von Allergien tritt häufig eine Konstriktion der Bronchialmuskulatur auf. Wie lässt sich dem entgegenwirken?
Answer
Allergien Typ 1: Freisetzung von Histamin aus Mastzellen → Bronchokonstriktion an glatter Muskulatur der Bronchien
Verhindern der Histaminfreisetzung durch Gabe von Adrenalin (→ bindet auch an beta2-rezeptoren → Bronchodilatatoren), beta2-Mimetika, Glucocorticoide, Cromoglycinsäure, Ketotofe, H1-Antihistaminika
Card 20
Question
Bei welcher Darmsymptomatik wären Parasympatholytika indiziert? Mit welchen Nebenwirkungen sind bei ihrer Anwendung bzw. bei ihrer Überdosierung zu rechnen?
Answer
Hemmende Wirkung auf Darmmuskulatur, Einsatz um Parasympathikus zu hemmen
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