„Als sprachlicher Markt, der streng den Urteilen der Hüter der legitimen Kultur unterworfen ist, wird der Bildungsmarkt von den sprachlichen Produkten der herrschenden Klasse beherrscht und verfestigt tendenziell die bereits bestehenden Kapitalunterschiede: Da sich die Wirkung eines geringen kulturellen Kapitals durch die damit einhergehende geringe Neigung zu seiner Vermehrung durch Bildungsinvestitionen noch verstärkt, fallen die am stärksten benachteiligten Klassen den Negativsanktionen des Bildungsmarktes anheim, […] .“
Welche Logik des Sprach-Marktes kritisiert Bourdieu hier?
Answer
Der Sprachmarkt regelt eben nicht – wie man es dem ökonomischen Markt nachsagt – alles von alleine
Die herrschende Klasse unterscheidet zu stark zwischen dem sprachlichen Kapital eine Klasse und ihrem kulturellen Kapital.
Es gibt eine herrschende Klasse, die bestimmt, was gesagt, gehört und rezipiert werden darf
Die Hüter der legitimen Kultur fördern nur das kulturelle Kapital eine bestimmten sozialen Schicht, nicht aber ihr sprachliches Kapital.
Die herrschende Klasse verfestigt damit die bestehenden Schichtunterschiede und verhindert ihre Durchlässigkeit.
Card 22
Question
Sprache ist im Rahmen der Diskurstheorie weder unschuldig (also frei von Ideologie oder Geschichte) noch ist sie frei von Macht. Diskurse sind produktiv, was heißt, dass sie etwas hervorbringen, also etwas erschaffen. Und in der Tat ist diese Produktivität der Dreh- und Angelpunkt der Butlerschen Verwendung des Begriffs Diskurs. Für Butler (und Foucault) sind Diskurse insofern produktiv, als sie das, was sich überhaupt sinnvoll formulieren lässt, ermöglichen.
Warum ist Sprache im Rahmen der Diskurstheorie weder unschuldig noch frei von Macht?
Answer
Weil Sprache durch das Bezeichnen von Dingen immer auch aktive Be-Deutungszuweisung ist.
Weil Sprache ein System von Zeichen ist, das kontingenterweise auch immer anders möglich wäre.
Weil Sprache durch das Denken und Sprechen die Realität in unseren Köpfen abzubilden imstande ist.
Weil Sprache festlegt, „was ist“ und so tut, als ob das, was angeblich so „sei“, auch die Realität ist.
Weil wir unter Zuhilfenahme der Sprache einen machtvollen Standpunkt innerhalb einer Diskussion einnehmen können.
Card 23
Question
Wenn wir nun annehmen, dass die Welt an sich, die sich darin befindlichen Objekte und vor allem alle sozialen Phänomene faktisch unübersichtlich, chaotisch und letztendlich nicht trennscharf von einander zu unterscheiden sind, so stellen Diskurse eine Art Metaordnung dar, die uns überhaupt eine sprachliche und damit symbolische Ordnung ermöglicht. Diskurse machen aus einer an sich ungeordneten Welt erkennbare Objekte, auf die sich Menschen dann sprachlich beziehen können.
Wie können Diskurse aus dem unüberschaubaren Chaos eine symbolische Ordnung schaffen?
Answer
Weil Diskurse selbst eine innere Ordnungsstruktur besitzen, die sie auf die symbolische Ordnung übertragen können.
Weil Diskurse die Fähigkeit besitzen zu sagen „was ist“ und damit die Welt dessen abstecken, was innerhalb einer Gemeinschaft gesagt werden darf und was nicht.
Weil Diskurse die reale Welt der Dinge und die Welt der abstrakten Begriffe direkt beschreiben können.
Weil Diskurse von Menschen gemacht sind, und die nun mal nur in einer geordneten Welt wirklich überleben können.
Weil Diskurse andere, alternative Diskurse ausschließen und damit als illegitime Sprechweise zurückweisen können.
Card 24
Question
Der Diskurs also ist es, der den Dingen einen Namen und damit eine Bedeutung zuweist - nicht etwa umgekehrt. Auch hier wieder ein kleines Bild zur Verdeutlichung: Kämen Kartoffeln mit einer Gravur aus der Erde, auf der »Kartoffel« stünde oder kämen Frauen mit einem Etikett »Frau« auf der Stirn zur Welt, so wüssten wir mit Sicherheit, dass es sich um naturgegebene, vielleicht sogar objektive und vom Menschen nicht zu verändernde Entitäten handelte. So aber kommen weder Kartoffeln noch Menschen zur Welt- so kommt nichts und niemand in die Welt. Denn zwischen den Dingen und uns stehen immer, unausweichlich und sozusagen in einem totalen Sinne, Diskurse.
Was bedeutet der Satz: Zwischen den Dingen und uns stehen immer, unausweichlich Diskurse?
Answer
Diskurse sind dem Menschen beim Erkennen der Dinge immer irgendwie im Weg
Wir müssen stets sehr deutlich zwischen den Menschen und den Diskursen und den Dingen unterscheiden.
Diskurse „machen“ sozusagen aufgrund ihrer Produktivität die Dinge, und nicht anders herum.
Diskurse sind mächtiger als die Menschen und verdecken daher die wahre Natur der Dinge.
Diskurse sind eher undurchsichtig und füllen deshalb den gesamten Raum zwischen uns und den Dingen aus
Card 25
Question
Nun ist mit der Produktivität von Diskursen nicht gemeint, dass es ohne einen bestimmten Diskurs die Phänomene, die sie bezeichnen, nicht gäbe. Selbstverständlich gibt es auch ohne den biologischen Diskurs der Gegenwart Viren oder Krankheiten. Aber, und das ist die Pointe der Diskurstheorie, die Phänomene, um die es geht (Viren, Gesundheit, Magenschmerzen et cetera) sind immer in einer bestimmten Weise durch das diskursive Feld, in denen sie bedeutet werden, geformt.
Wie könnte man diesen Satz mit Villa (und Butler) in Bezug auf das Corona-Virus verstehen?
Answer
Ohne die Diskurse in den Medien und in der Politik gäbe es gar keinen Diskurs über das Corona-Virus.
Es gibt wohl in der Realität „das draußen“ die materielle Wirklichkeit eines Virus, doch ist sowohl der biologische als auch der soziale Diskurs immer das Ergebnis einer aktiven Bedeutungszuweisung.
Der biologische Diskurs beschreibt das Corona-Virus, so wie es ist, und die Laien-Öffentlichkeit hat massive Problem diesen Diskurs in ihr Verständnis von Viren zu integrieren.
Den biologischen Diskurs über das Corona-Virus kann es nur geben, weil die Medizin vorher bereits andere Viren innerhalb ihrer Diskurslogik so gut erforscht hatte.
Auch der biologische Diskurs zum dem, was das Corona-Virus „an sich“ ist, kann nicht ein für alle mal klar und eindeutig geführt werden.
Card 26
Question
Offensichtlich war (und ist) die Euphorie über die neuen Möglichkeiten der Einflußnahme auf Wissen, Einstellungen, Verhalten und Entscheiden von Menschen durch Kommunikation, insbesondere durch die Massenmedien, so groß, daß die wissenschaftliche Sorgfalt, mit der diese Möglichkeiten untersucht wurden, damit nicht Schritt gehalten hat - eine Erscheinung, die sich insbesondere für die vermuteten politischen Wirkungen der Massenmedien deutlich nachweisen läßt.“
Was genau mein Klaus Merten mit der „fehlenden wissenschaftlichen Sorgfalt“?
Answer
Medienwirkung wurde vorschnell und unhinterfragt als messbare Ursache-Wirkungsbeziehung verstanden
Medienwirkung wurde zu sehr mit den Modellen der Stochastik beschrieben und zu wenig mit den Modellen aus der Neurologie.
Es wurde nicht deutlich genug ausgesprochen, dass es sich bei der Medienwirkung eigentlich nur um Korrelationen und nicht um Kausalitäten handelt.
Medienwirkung wurde vorschnell mir behavioristischen Theorien erklärt.
Medienwirkung konzentrierte sich in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu sehr auf den Möglichkeit der Beeinflussung der politischen Meinung.
Card 27
Question
„Der Wirkungsbegriff der Kommunikationsforschung ist aus den Naturwissenschaften entlehnt. Dort wird mit dem Begriff der Wirkung eine kausal strukturierte Ursache-Folgen-Relation gefaßt, wobei die durch eine Ursache erzeugten Folgen prinzipiell als Wirkung von Irgendetwas beschrieben werden.“
Welche der folgenden Aussagen sind dann in diesem naturwissenschaftlichen Sinne richtig?
Answer
Aus den Eigenschaften des Senders und der vom Empfänger aufgenommenen Nachricht lässt sich eine kausal strukturierte Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten.
Die Inhalte der vom Empfänger rezipierten Nachricht stehen nur in einem relationalen, nicht aber in einem kausal relationalen Verhältnis zueinander.
Der Versuch der Beschreibung einer kausal strukturierten Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen der gesendeten und der empfangenen Information unterschlägt die Selektivität des Empfängers.
Die Inhalte der gesendeten Information und die Inhalte der vom Empfänger rezipierten Information stehen in einer kausal strukturierten Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Lebende Informationsverarbeitungs-Systeme sind wegen ihrer kognitiven Autonomie nicht vorhersagbar.
Card 28
Question
Sehr viel drastischer läßt sich die Unhaltbarkeit des Stimulus-Response- Modells für die Wirkungsforschung zeigen, wenn man die bereits angemerkte Kritik in Rechnung stellt, daß Kommunikation nicht Stimuli, sondern Symbole erfordert, also Zeichen, die Verschiedenes bedeuten können. Der Begriff der "Bedeutung", der hier üblicherweise benutzt wird, hat durch seine Assoziation zur lexikalischen Denotation eines Zeichens gerade in der Kommunikationswissenschaft die konstitutive Eigenschaft von Zeichen verdeckt: Sie sind nicht mit einer "Bedeutung" verknüpft oder ausgestattet, sondern ganz im Gegenteil mit einem Ensemble von Freiheitsgraden versehen, sie so oder auch anders zu begreifen. Diese Freiheitsgrade sind die Vorausetzung dafür, daß Kommunikation überhaupt möglich wird.
Was war nochmal das Besondere an diesen „Freiheitsgraden“ der Zeichen?
Answer
Die Festlegung der Bedeutung eines Zeichens ist aus freien Stücken und ohne Anwendung von Zwang erfolgt.
Die Festlegung der Bedeutung eines Zeichens ist eine soziale Vereinbarung die immer auch anders möglich gewesen wäre.
Die Festlegung der Bedeutung eines Zeichens ist als arbiträr zu verstehen.
Die Festlegung der Bedeutung eines Zeichens geschieht mit der Ziel einer möglichen freien Interpretation.
Die Festlegung der Bedeutung eines Zeichens liegt immer in der Möglichkeit der Freiheit des Andersdenkenden.
Card 29
Question
„Noch deutlicher kommt dieser relationale Bezug von Wirkung gerade durch das Konzept zum Vorschein, das die Ablösung des Stimulus-Response-Modells der Wirkungsforschung vorbereitet hat: Durch Selektivität. Es läßt sich nachweisen, daß der gesamte Kommunikationsprozeß von selektiven Prozessen und Strukturen systematisch und zugleich strategisch durchsetzt ist und von diesen geradezu definiert wird. In Anbetracht der oben geforderten Isomorphie zwischen Kommunikations- und Wirkungsprozeß kann daher vermutet werden, daß Selektivität auch für den Prozeß der Wirkung ein zentrales Konzept ist; denn Selektivität ist zugleich eine Strategie sinnvollen Verhaltens und das basale Konzept zur Konstruktion von Wirklichkeit.“
Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff der Selektivität?
Answer
Selektivität bedeutet die Möglichkeit unterschiedliche Medienangebote überhaupt auswählen zu können.
Selektivität bedeutet die Möglichkeit der Auswahl einzelner Details eines Medienangebots.
Selektivität bedeutet die Möglichkeit zwischen unterschiedlichen TV-Angeboten auswählen zu können.
Selektivität bedeutet die aktive eigene subjektive Interpretationsleistung der Medieninhalte auf Seiten des Empfängers.
Selektivität bedeutet aktive eigene Verknüpfung von neuen Medieninhalten mit erfahrungsbasiertem Vorwissen.
Card 30
Question
„Die Frage nach dem Verhältnis von Sprache und Gewalt, [...], erlaubt keine einfachen Antworten. [...] es gibt auch keinen neutralen Standpunkt, von dem aus wir das begriffliche und phänomenale Feld in Augenschein nehmen könnten. Denn wenn wir uns niemals sicher sein können, dass unser eigenes Sprechen selbst bereits gewaltsam ist - und sei es auch nur allein durch den Akt, ein anderes Sprechen als Gewalt zu identifizieren und zu benennen-, dann wäre jeder Versuch, das Verhältnis von Sprache und Gewalt im Allgemeinen und sprachlicher Gewalt im Besonderen zum Thema zu machen, vor das scheinbar unlösbare Problem gestellt, auch noch die Gewaltsamkeit seines eigenen Sprechens mit in Rechnung stellen zu müssen.“
Warum gibt es keinen „neutralen Standpunkt“ von dem aus wir das Problem angehen können?
Answer
... , weil wir beim Besprechen dieses Problems immer auf Sprache zurückgreifen müssen
... , weil wir nicht die richtigen Worte dafür besitzen, das Problem der Gewalt in der Sprache zu beschreiben.
... , weil wir nicht sicher sein können, ob unser Besprechen des Problems selbst schon wieder gewaltsam ist.
... , weil wir erst einmal besprechen müssen, wo dieser neutrale Standpunkt sich befindet.
... , weil wir erst klären müssen, was denn nun Gewalt in der Sprache ist und was nicht.
Card 31
Question
Wir können mit Sprache nicht nur Gewalt beschreiben, ausdrücken oder artikulieren, sondern auch Gewalt ausüben und anderen Gewalt zufügen. Sprache besitzt, kurz gesagt, nicht nur ein gewaltsames Potential, sondern auch eine verletzende Kraft (vgl. Herrmann/Kuch 2007, S. 7). Zugleich scheint der Sprache selbst ein gewaltsames Moment eigen zu sein. Die Struktur und die Logik unserer Sprache bestimmt nicht nur, was sich wie sagen lässt; sie begrenzt gleichermaßen den Raum dessen, was vom Sagbaren ausgeschlossen bleibt und vielleicht niemals sagbar ist.“
Dann hat die Sprache also zwei gewaltsame Momente in sich. Welche sind das?
Answer
Durch die Sprache kann ich mir Dinge in der Zukunft ausmalen.
Durch die Sprache kann ich festlegen, was in einer bestimmten Situation gesagt werden darf und was nicht.
Durch die Sprache kann ich jemanden zu tiefst verletzen.
Durch die Sprache kann ich etwas sagen, aber es ganz anders meinen.
Durch die Sprache kann ich sagen, was in der Vergangenheit gewesen ist.
Card 32
Question
Entweder geht die Gewalt der Sprache voraus, dann wird Sprache ausgehend von ihrer konstativen Sprachfunktion als ein Mittel der Artikulation, der Kommunikation und der Repräsentation von Gewalt verstanden; oder die Sprache geht der Gewalt voraus, dann ist die Sprache das Medium, das die Gewalt vorbereitet, ankündigt, vorwegnimmt und diskursiv strukturiert.“
Welche von beiden Annahmen ist denn nun im Sinne Posselts richtig?
Answer
Zuerst ist immer die Gewalt da und dann kommt die Sprache als Mittel, da Sprache auch nur eine mögliche Form der Gewaltanwendung ist.
Zuerst kommt immer die Sprache und dann die Gewalt, da alle Gewalthandlungen immer erst sprachlich vereinbart werden müssen.
Beide Annahmen sind richtig, da sie beide für sich eine logische, nachvollziehbare Argumentationskette bilden.
Keine der beiden Annahmen, da sich dieses Verhältnis epistemologisch letztendlich bis ins Detail nicht klären lässt.
Zuerst kommt immer die Sprache, denn sie muss ja nicht zwangsläufig gewalttätig sein.
Card 33
Question
Sprachliche Gewalt als Durchsetzung von Machtansprüchen erschöpft sich folglich niemals darin, einfach jemanden kraft rhetorischer Überredungskünste dazu zu bringen, etwas zu glauben, zu tun oder ihm oder ihr einen spezifischen sozialen Status zuzuweisen; vielmehr geht es darum, die eigenen Definitionen, Deutungen und Interpretationen dessen, was wahr, richtig und möglich ist, erfolgreich durchzusetzen.“
Und wie genau kriegen wir das hin?
Answer
Wir bitten die Anderen einfach höflich, das zu glauben, was wir sagen.
Wir bringen den Anderen eine große Portion Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und Echtheit entgegen.
Wir verweisen beim Sprechen immer auf unsere Autorität als Sprecher bzw. Sprecherin.
Wir wiederholen beim Sprechen immer Aussagen, die in der Vergangenheit schon autoritär durchgesetzt wurden.
Wir weisen die Anderen immer darauf hin, dass unsere Aussagen eigentlich eine „Verfallsdatum“ haben müssten und von anderen vielleicht anders besprochen wurden.
Card 34
Question
„Kurz, wir sind verantwortlich für unser Sprechen, weil wir immer schon von der Sprache und von anderen angesprochen sind, weil wir immer schon antworten müssen, auf ein vorgängiges an uns gerichtetes Wort. Wir sind verantwortlich, weil wir niemals einfach von vorne beginnen können, weil wir niemals so tun können, als hätte es vor uns keine Sprache und kein Sprechen gegeben, weil wir immer schon das sprechen, was zuvor gesprochen wurde, und wir folglich in unserem Sprechen auch für die Verletzungen und Traumata, die unser Sprechen evoziert und reiteriert, mit verantwortlich sind. “
Was genau mein Posselt damit?
Answer
Wir können nicht so tun, als wüssten wir nichts von der Möglichkeit der Verletzung der Sprache, die uns vorausgegangen ist.
Wir können eigentlich nicht so genau wissen, wie die Verletzungen der Sprache in der Vergangenheit „funktioniert“ haben.
Wir können eigentlich immer nur wiederholen, was andere vor uns auch schon gesagt haben.
Wir können nicht so tun, als hätten wir nicht die Möglichkeit anders zu sprechen und anders mit der Sprache um zu gehen, auch wenn wir uns der Wirkung nicht völlig sicher sein können.
Wir sind immer nur für die Verletzungen verantwortlich, die in der Vergangenheit schon stattgefunden haben.
Card 35
Question
„Außerdem können aufgrund örtlicher Abgelegenheit oder aufgrund sozialer Barrieren schwer erreichbare Zielgruppen angesprochen werden, mit der einzigen Voraussetzung eines Zugangs zu einem Mobiltelefon oder Smart Device. Durch den indirekten und anonymisierten Zugang zu Informationen und zu Betreuung kann vor allem das Krankheitsmanagement unterstützt werden, das in der herkömmlichen Betreuung durch Stigmatisierung beeinträchtigt wird (z. B. bei psychischen Erkrankungen). Wenn mHealth-Angebote sinnvoll geplant und eingesetzt werden, kann mHealth daher einerseits das Selbstmanagement von Krankheiten verbessern sowie andererseits präventiv zur Verhaltensänderung beitragen (beispielsweise durch Apps zur Förderung von gesunder Ernährung).“
Stigmatisierte Rand-Gruppen könnten von eHealth und mHealth profitieren, …
Answer
… wenn sie mit ihrem Arzt regelmäßig über das Internet kommunizieren.
… wenn sie eher in ländlichen Regionen wohnen würden
… wenn sie ein Mobiltelefon oder Smart Devise besitzen.
… weil sie sich so schneller mit anderen Betroffenen austauschen können.
… weil sie durch die anonymisierte Zugangsweise weniger stigmatisiert werden.
Card 36
Question
„Durch die Interaktivität von mHealth können Patientinnen und Patienten zudem eine professionelle Unterstützung im Krankheitsmanagement immer dann gezielt und direkt anfordern, wenn sie diese benötigen. Das Feedback der Gesundheitsexpertinnen und -experten kann in der Folge ohne Zeitverzögerung geliefert werden (z. B. im mobilen Chat). Eine Personalisierung und Anpassung der mHealth-Inhalte an individuelle Bedürfnisse wird besonders über mHealth-Apps ermöglicht, die eine Reihe an Individualisierungsmöglichkeiten bereitstellen, […].“
Interaktivität und Personalisierung sind zwei wichtige Komponenten von mHealth, weil …
Answer
… sie allen Nutzerinnen und Nutzern die gleichen Informationen zu kommen lassen können.
… sie besonders jüngeren Nutzerinnen und Nutzern zu Gute kommen könnten,
… weil so die Qualität der Arzt-Patienten-Kommunikation verbessert wird.
… weil sie das Krankheitsmanagement direkt unterstützen können.
… weil sie direkt an die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer anknüpfen können.
Card 37
Question
„Zielgruppen höheren Alters sind meist über mobile Endgeräte nicht erreichbar, sowie generell Personen, die über kein Mobiltelefon oder Smartphone verfügen. Außerdem benötigen Smart Devices immer auch einen Internetzugang als notwendige Voraussetzung einer Nutzung von mHealth-Angeboten.“
Älteren Personen sind benachteiligt, weil …
Answer
… sie sich ihre gesundheitsbezogenen Informationen eher aus dem Fernsehen ho
… weil sie seltener ein Mobiltelefon benutzen.
… weil sie seltener einen Internetanschluss besitzen.
… sie sich ihre gesundheitsbezogenen Informationen eher aus dem Radio holen.
… weil sie eh nur dem vertrauen, was ihr Arzt ihnen rät
Card 38
Question
„Weder Apps noch SMS-Interventionen beziehen in ausreichendem Umfang theoretische Grundlagen zu Einstellungs- und Verhaltensänderung ein. mHealth-Interventionen greifen selten auf theoretisches Wissen aus der Persuasionsforschung zurück, z. B. bezüglich des Designs von mHealth-Messages.
Apps und SMS-Interventionen sind dann wohl doch nicht so gut, weil …
Answer
… weil sie optisch einfach zu schlecht designt sind.
… weil sie bei der Bestimmung der Zielgruppe oft nicht schichtsensibel vorgehen
… weil sie oft nicht die richtige Zielgruppe treffen.
… sie bei ihrer Konzeption oft kein theoretisches Wissen zur Verhaltensänderung verwendet haben.
… sie bei ihrer Konzeption oft kein theoretisches Wissen aus der Persuasionsforschung verwendet haben
Card 39
Question
„Gesundheitsförderung als Prozess der Selbstbestimmung verstanden, stellt die Qualität der Gesprächsbeteiligung von Patienten in den Mittelpunkt salutogenetischer Prozesse. Damit wird die Arzt-Patient-Interaktion selbst zum zentralen Instrument der Wiederherstellung und Förderung von Gesundheit – zum „Herz der Medizin“, das in allen Gesprächsphasen Potenziale der Patientenselbstbestimmung und damit der Gesundheitsförderung eröffnet.“
Warum sollte mit Peter Nowak die Arzt-Patientinnen-Interaktion zu einem zentralen Instrument der Gesundheitsförderung werden?
Answer
Weil bereits in der Ottawa-Charta der WHO von 1986 Gesundheitsförderung als eine Förderung der Selbstbestimmung definiert wurde.
Weil alle Gesprächsphasen einer Arzt-Patient-Interaktion dazu geeignet sind, über Gesundheit zu sprechen.
Weil die Gesundheitsförderung als eine bedeutsame Mensch-zu-Mensch-Interaktion stets salutogenetische Anteil enthalten sollte.
Weil moderne Interaktions- oder auch Kommunikationstheorien von der Selbstbestimmung und Selbstherstellung (Autopoiese) lebender Systeme ausgehen.
Weil der Interaktions- oder Kommunikationsprozess selbst bereits geeignet ist, die Gesundheit aller am Gespräch beteiligten herzustellen.
Card 40
Question
„Besondere Bedeutung und auch Problematik erlangen Partizipationsprozesse in der professionellen Beratung […], die […] charakteristischerweise Laien durch Loyalität an die betreuenden Experten bindet. Vertrauen und Loyalität sichern in diesem asymmetrischen Grundverhältnis die professionelle Leistung für die Laien. Partizipation von Laien an Entscheidungsprozessen kann damit aber in Widerspruch zur Loyalität der Laien geraten, insbesondere wenn Partizipation ausschließlich als autonome Entscheidungsmacht gesehen wird. Der Widerspruch zwischen Autonomie und Vertrauen verschärft sich in der Krankenbehandlung zur paradoxen Aufforderung: Partizipation an Behandlungsentscheidungen wäre als Strategie des Empowerments im Sinne der Gesundheitsförderung zu fordern, […]
Wann wird Partizipation in der Interaktion zwischen Professionellem und Laien zu einem echten Problem?
Answer
Wenn die Förderung zu mehr Partizipation den Laien als autonomes Wesen so sehr betont, dass er sich als vollständig unabhängig auch von der vertrauensvollen Interaktion mit der Professionellen empfindet.
Wenn der Professionelle von vorn herein die Partizipation des Laien ausschließt.
Wenn der Professionelle innerhalb der Interaktion zu stark paternalistischem Verhalten neigt.
Wenn der Laie das asymmetrische Grundverhältnis zwischen den beiden Partnern von Beginn an in Frage stellt.
Wenn nicht mehr Vertrauen das Verhältnis von Laien und Professionellen bestimmt, sondern der Wunsch des Laien nach einer vollständigen Autonomie.
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