Bestimmung von harnpflichtigen Substanzen im Plasma
Answer
Bestimmung von zB Harnstoff, Kreatinin, Kreatin, Harnsäure
-> stammen aus intermediärem Stoffwechsel (Stoffwechselprozesse an Schnittstelle Anabolismus & Katabolismus)
-> Stickstoff als gemeinsamer Bestandteil
-> Ausscheidung hauptsächlich über Niere, da harnpflichtige Substanz
-> verminderte Ausscheidung führt zu erhöhter Plasmakonzentration
(auch möglich durch vermehrte Zufuhr/endogene Bildung)
-> zur Überprüfung der Nierenfunktion
Card 22
Question
Harnstoff & Plasmakonzentration
Answer
Synthese von Harnstoff in Leber aus Ammoniak (Harnstoffzyklus)
entgiftetes Endprodukt der Proteinverdauung -> Ausscheidung über Niere
CAVE
unabhängig von Nierenfunktion Schwankung der Harnstoff Konzentration im Plasma
- erhöht nach proteinreicher Nahrun
- erhöht bei verstärktem Proteinabbau (Fieber, Gewebsabfall)
- außerdem wird Harnstoff im Tubulussystem wieder eingeströmt
aus Plasmakonzentration von Harnstoff kein Rückschluss auf GFR möglich
Card 23
Question
Kreatinin & Plasmakonzentration
Answer
= Protein des Muskelstoffwechsels, gebildet aus Kreatin
weitgehend konstante Abgabe ins Plasma, d.h. konstante Konzentration
vgl Harnstoff:
- nicht abhängig von Stickstoffaufnahme und Proteinmetabolismus
- fast ausschließlich über Filtration in Tubulussystem (keine Rezirkulation)
d.h. Störungen der Filtration führen zu erhöhter Konzentration im Plasma
für Rückschlüsse auf GFR
Card 24
Question
Renale Clearance
Answer
= Maß für Entgiftungsleistung der Niere
gibt an, wie viel Plasmawasser pro Zeiteinheit bei einmaliger Passage von einem Stoff befreit wurde
ist also abhängig von Filtration,Sekretion und Resorption eines Stoffes
gibt Aufschluss über Funktionsfähigkeit der Niere
zB Glucose: wird filtriert und anschließend vollständig resorbiert, sodass Clearance = 0, da kein Plasmawasser von Glucose gereinigt werden muss
-> wenn Clearance Wert davon abweicht, Hinweise auf Störung der Resorption
-> ABER erhöhte Plasmakonzentration eines resoprtionspflichten Substraten kann dazu führen, dass Resorptionskapazität überschritten und Substrat bei intakter Niere nicht vollständig resorbiert wird (vgl. Diabetes: Glucose in Urin, bei zu hoher BZ Konzentration)
Card 25
Question
Berechnung renale Clearance
Answer
wird eine Substanz ausschließlich filtriert (nicht sezerniert oder resorbiert), kann über Ausscheidungsverhalten die Filtrationsleistung bestimmt werden
filtrierte Menge = GFR x c(x)P
GFR = Glomeruläre Filtrationsrate
c(x)P = Plasmakonzentration der zu überprüfenden Substanz (zB Kreatinin, Inulin)
mit dem Urin pro Zeiteinheit ausgeschiedene Menge
ausgeschiedene Menge = (V)U x c(x)U
(V)U = Urinvolume pro Zeit
c(x)U = Konzentration der Substanz im Urin
wird Substanz weder resorbiert, noch sezerniert, dann ist aus dem Plasma eliminierte Menge = mit dem Harn ausgeschiedene Menge
-> filtrierte Menge = ausgeschiedene Menge
wird eine Substanz unbehindert filtriert und z
GFR x c(x)P = (V)U x c(x)U
-> Umstellung nach GFR
GFR = (V)U x c(x)U / c(x)P
-> rechter Teil der Gleichung = Clearance der Substanz
zur Bestimmung der GFR über Clearance benötigt man also Urinvolumen pro Zeit, Konzentration der Substanz in Urin und Plasma
Interpretation
- Clearance > GFR, wenn Substanz frei filtriert und zusätzlich sezerniert
- Clearance < GFR, wenn Substanz frei filtriert und dann rückresorbiert
- Clearance = GFR, wenn Substanz frei filtriert und vollständig ausgeschieden
Card 26
Question
Durch welche Verfahren wird die renale Clearance meist bestimmt?
Answer
Inulin
- unter physiologischen Bedingungen nicht im Blut vorhanden, muss daher verabreicht werden
- Messung wie viel des verabreichten Inulin wieder ausgeschieden wird
- Inulin wird frei filtriert, aber nicht resorbiert, daher Clerance = GFR
- findet selten Anwendung, da durch notwendige Dauerinfusion umständlich
Kreatinin
- physiologisch im Blut, daher keine Infusion nötig
- P: Kreatinin wird in geringen Mengen bei vielen Tieren tubulät sezerniert
-> d.h. Clearance > GFR
- ABER da konstante Kreatinin Freisetzun, kann GFR aus Plasmakonzentration ohne Messung der Ausscheidung abgeschätzt werden
-> inverse Beziehung GFR und Plasmakonzentration: sinkt GFR um die Hälfte, steigt Plasmakonzentration auf das Doppelte
-> erst möglich bei stärkeren Einschränkungen der GFR
Paraaminohippurat (PAH)
- wird unbehindert filtriert und zusätzlich vollständig in den Tubuli sezerniert
- daher entspricht Clearance etwa renalem Plasmafluss (RPF)
-> CPAH = RPF
-> renale Blutfluss (RBF) = RPF / (1-Hämatokrit)
Card 27
Question
renaler Blut- & Plasmafluss
Answer
renaler Blutfluss (RBF) = Menge an Blut, die pro Minute durch Niere fließt
-> 20% des Herzminutenvolumens
renaler Plasmafluss (RPF) = Menge an Blutplasma (flüssiger Anteil des Bluts) , die pro Minute durch Niere fließt
-> etwa Hälfte des renalen Blutfluss
RBF = RPF / (1-Hämatokrit)
RPF = RBF x (1-Hämatokrit)
Hämatokrit = Volumenanteil der zellulären Elemente im Blut (v.a. Erythrozyten)
Card 28
Question
Aufbereitung Endharn im Tubulussystem - Überblick
Answer
aus Primärharn wird im Tubulussystem der Endharn gebildet
Primärharn gelangt nach Filtration in Tubuli
Sekretion von weiteren Substanzen
Hauptaufgabe Tubuli: Resorption von Stoffen, die dem Körper nicht verloren gehen dürfen (v.a. Ionen Na+, Cl-, Ca2+, Mg; Glucose, Aminosäuren, Wasser)
-> Resorption über verschiedene Transportmechanismen
-> bei geringer Wasserzufuhr und -ausscheidung (antidiuretischer Zustand)
proximale Tubuli: große Mengen an NaCl und Wasser gegen kleinen Konzentrationsgradienten -> leck
distale Tubuli: kleine Mengen gegen großen Konzentrationsgradienten -> dicht (Feineinstellung der Urinzusammensetzung)
Card 29
Question
Prinzip des tubulären NaCl Transports
Answer
filtrierte Na+ wird zu >99% resorbiert
- proximaler Tubulus 70%
- Henle Schleife 20%
- distaler Tubulus & Sammelrohr >9%
Resorption wird angetrieben von Na+/K+-ATPase (basolateraler Ausstrom)
- Austausch von 3 Na+ gegen 2 K+
- Na+ dabei aus Zelle
Entstehung Konzentrationsgradient Na+
- Na+ diffundiert entlang des Konzentrationsgradienten aus dem Tubuluslumen in Zellinneres (apikaler Natriumtransport)
zusätzliche Triebkraft durch elektrischen Gradienten
- Zelle von innen negativ geladen, fördert Na+ Einstrom zusätzlich
durch Na+ Diffusion Entstehung osmotisches Gefälle
- osmotischer Druck = durch Konzentrationsunterschied der in einer Lösung (Wasser) gelösten Teile; treibt Fluss des Lösungsmittels zur Seite der höheren Konzentration an
- nach Resorption von Na+ Konzentration in Tubuluslumen geringer, daher folgt Wasser Natrium in Zellinneres
-> Da Na+ ja resorbiert wird, kann es nicht zurück in Tubuluslumen diffundieren, um Konzentrationsunterschied auszugleichen. Durch das Nachfolgen von Wasser wird der Konzentrationsgradient behoben und die Konzentration der osmotisch wirksamen Teilchen bleibt konstant (ca. 280-300mosmol*kg-1)
- isoosmolare Resorption
basolateraler Ausstrom immer über Na+/K+-ATPase
apikaler Natriumtransport unterschiedlichen in verschiedenen Abschnitten des Tubulussystems
Card 30
Question
NaCl Transport proximaler Tubulus
Answer
Na+
Transport hauptsächlich im Cotransport mit anderen Substanzen (v.a. Glucose als Symport -> gemeinsam in selbe Richtung)
der Na+ Gradient wird genutzt, um andere für den Organismus wichtige Substanzen zu resorbieren
Na+/H+ Antiporter (= Transport in entgegengesetzte Richtungen)
dadurch Sekretion von Protonen (H+) aus Zelle in Tubuluslumen
-> wesentlicher Mechanismus bei Regulation des Säure-Basen-Haushalt
Transport von Na+ mit Glucose und Aminosäuren ist elektrogen
= durch den Transport von Na+ aus dem Blut entsteht ein Defizit an positiver Ladung im Lumen -> negative Ladung (ca 2mV Potentialdifferenz) -> wichtig für Transport von Cl-
2. Cl-
im frühproximalen Tubulus ausschließlich passive Resorption über parazellulären Weg (Transport über Zwischenräume der Zellen)
drei Antriebsmechanismen:
1. Diffusion entlang des elektrischen Gradients (s.o.)
2. Diffusion entlang des chemischen Gradients
-> Na+ Resorption folgt Wasserresorption aufgrund des osmotischen Gefälles, dadurch Cl- Konzentration im Tubuluslumen erhöht
3. durch solvent drag
= gelöste Ionen werden bei Wasserresoprtion mitgespült (passiver Transport)
Card 31
Question
NaCl Transport Henle-Schleife
Answer
1. dünner absteigender Ast
besteht aus mitochondrienarmen, kleinen Epithelzellen -> daher dünn
sehr wasserpermeabel, daher starke Wasserresorption
ABER keine aktiven Trasnsportmechanismen
2. dicker aufsteigender Ast
Na+ K+ Cl- Symporter
im Verhältnis 1:1:2
Abgabe Na+ über Na/K-ATPase in Interstitium
Abgabe Cl- über Kanal in Interstitium
keine Wasserkanäle, daher praktisch wasserimpermeabel
-> Osmolalität (Teilchenanzahl aktiver Substanzen/Kilo Flüssigkeit) im Tubulussystem nimmt ab
-> dicker Anteil = Verdünnungssegment
Card 32
Question
NaCl Transport distales Nephron und Sammelrohr
Answer
1. distaler Tubulus
Na/Cl Cotransport
hohe Wasserpermeabilität, Wasser strömt aus
-> Osmolalität des Tubulussystems nimmt zu, nach kurzer Zeit wieder isoton (gleich) zu Blutplasma
2. Sammelrohr
besteht aus zwei Zellsorten
1. mitochondrienreiche Haupzellen
= Feinregulierung des Natrium- & Wasserhaushalt
-> Natriumtransport über ENaC = epithelial Na+ channel (durch Aldosteron induziert)
-> Wassertransport über durch cAMP Vermittlung eingebaute Wasserkanäle (durch ADH)
2. mitochondirenärmere Zwischenzellen
= dienen je nach Stoffwechselsituation der Acidifizierung/Alkalisierung des Urins
vorwiegend Aldosteron, in geringem Maß über Atriopeptin (ANP)
1. Aldosteron
fördert Resorption von Na+ in distalem Tubulus & Sammelrohr durch verstärkte Bildung von apikalen Na+ Kanälen (ENaC) und Na+/K+ ATPase
Stimulation der K+ Sekretion (direkt & indirekt)
bei hoher Aldosteronkonzentraion: fast gesamtes Natrium wird resorbiert
-> Konzentration in Urin extrem gering
bei niedriger Aldosteronkonzentration: fast gesamtes Natrium wird nicht resorbiert und ausgeschieden
-> erhöhte Konzentration in Urin
Bildung Aldosteron in NNR
Ausschüttung Aldosteron durch
1. Angiotensin II (bei hohem RR)
2. Hyperkaliämie
3. Hyponatriämie
4. ACTH
wirkt nicht nur in Niere, sondern auch in Dickdarm und Speicheldrüsen (da dort ENaC Kanäle)
2. ANP (atriale natriuretische Peptid)
in Vorhöfen gebildet
Ausschüttung bei Dehnung der Herzmuskelzellen
fördert Na+ Ausscheidung durch Hemmung der Resorption im Sammelrohr
hemmt außerdem Sekretion von Renin, Aldosteron (vgl Renin-Angiotensin-Aldosteron System) und ADH
Card 34
Question
Bedeutung Niere für Kaliumhaushalt
Answer
Einstellung des K+ Haushalts hauptsächlich über Variation der renalen Ausscheidung
Körper empfindlich für Veränderungen der Kalium Konzentration
- Kalium wichtige Bedeutung für Membranpotential
-> zu niedrige Werte = keine Kontraktionen mehr: Arrythmien
-> zu hohe Werte = Herzstillstand
Kalium Zufuhr schwankt stark durch Nachrungszufuhr
-> v.a. bei landwirtschaftlichen Nutztieren & Pflanzenfressern Zufuhr von Kalium über Nahrung deutlich über Bedarf
-> verstärkte Ausscheidung von Natrium über die Niere (Darm nur geringer Anteil)
Card 35
Question
Kalium: Filtration, Resorption und Sekretion
Answer
1. Filtration
Kalium wird im Glomerulus unbehindert filtriert
2. Resorption
proximaler Tubulus: 60-70%
- Resorption mittels passiver Transport über Diffusion und solvent drag in Interzellularspalt
- mittels Na+/K+ ATPase K+ aus Interzellularspalt in Zellinneres
- über Kaliumkanal und K+/Cl- Cotransporter Transport zur Blutseite
- geringer Anteil über apikalen Kaliumkanal zurück in Lumen: Entstehung Membranpotential (Zellinnere negativ) -> wichtig für andere elektrogene Transporte
Henle-Schleife: 20-30%
- dicker aufsteigender Teil: Aufnahme Kalium in Zelle über apikalen Na+K+2Cl- Symporter
distaler Tubulus & Sammelrohr: 5-15%
- Nettotransport sehr variabel: kann zwischen Resorption und starker Sekretion schwanken
- ob Resorption oder Sekretion ist abhängig von K+ Zufuhr (filtrierter Menge)
- Resorption über Zwischenzellen mittels K+/H+ ATPase aus Lumen in Zelle
3. Sekretion
in Hauptzellen des Sammelrohrs
über Na+/K+ ATPase aufgenommene K+ wird über apikale Kanäle ins Lumen geschleust
bei Kaliumüberschuss Sekretion > Resorption
gesteuert über Aldosteron
Card 36
Question
Regulation Kaliumausscheidung
Answer
über Aldosteron
- auch Wirkung auf Natriumhaushalt: aber gegenläufig!
aktiviert Na+/K+ ATPase in Hauptzellen
- treibende Kraft, um Na+ aus Tubulus zu resorbieren
-> dabei Transport K+ in Gegenrichtung, d.h. K+ verstärkt in Zellinnerem
Kalium, das verstärkt in Zellinneres aufgenommen wird, wird auch vermehrt in Tubulussystem sezerniert
erhöhte Elimination von Kalium
Regelkreis
1. erhöhte Aufnahme Kalium führt zu Zunahme der extrazellulären Konzentration
2. erhöhte Konzentration stimuliert Aldosteronabgabe in der NNR
3. Aktivierung Na+/K+ ATPase
4. Sekretion Kalium in Tubulussystem
4. erhöhte Elimination Kalium aus Körper über Urin
Card 37
Question
Wechselwirkungen Natrium Kalium
Answer
P: Natrium und Kalium durch Aldosteron reguliert, allerdings gegenläufig
Natrium Resorption nimmt durch Aldosteron zu
Kalium Sekretion nimmt durch Aldosteron zu
bei Natriummangel
Ausschüttung von Aldosteron
führt zur verstärkten Resorption von Natrium, Ausgleich Mangel
ABER
erhöhte Sekretion von Kalium: Hypokaliämie
bei übermäßiger Kaliumzufuhr
Ausschüttung Aldosteron
verstärkte Sekretion & Ausscheidung von Kalium
ABER
erhöhte Resorption von Natrium: Hypernatriämie
v.a. bei landwirtschaftlichen Nutztieren: Kaliumzufuhr begrenzen!
Card 38
Question
Harnkonzentrierung - Grundlegendes
Answer
Menge des pro Zeiteinheit ausgeschiedenen Harns ist abhängig von
1. aufgenommenem Wasser
2. Umgebungstemperatur
3. körperliche Arbeit (löst andere Wege der Wasserabgabe aus)
Säugende Jungtiere = höhere Flüssigkeitsaufnahme bezogen auf Körpermasse als erwachsene Tiere
-> tägliche Harnmenge daher höher
-> aber niedrigere Osmolalität des Harns
Niere ist in der Lage Harn zu konzentrieren und so an Wassermangel anzupassen (weniger Flüssigkeitsverlust über den Harn)
-> je nach Tierart Konzentration des Harns auf 4-12 fache der Plasmaosmolalität (=Antidiurese)
Card 39
Question
Worauf beruht die Harnkonzentrierung?
Answer
Fähigkeit zur Harnkonzentrierugng + Minimierung der Harnmenge abhängig von Länge Henle-Schleife und Effektivität der Gegenstromsysteme
zwei Gegenstromsysteme
1. zwischen absteigendem und aufsteigendem Teil der Henle-Schleife
2. zwischen aufsteigendem Teil der Henle-Schleife und Sammelrohr
Card 40
Question
Was ist die Voraussetzung für die funktionierenden Gegenstromprinzipe?
Answer
unterschiedliche Transportcharakteristika in den einzelnen Tubulusabschnitten
absteigender Teil Henle Schleife
= hohe Wasserpermeabilität
aufsteigender Teil der Henle Schleife
= aktive Na+ und Cl- Resorption
Sammelrohr
= hohe Wasserpermeabilität wenn ADH wirksam
medulläres Sammelrohr (unterer Anteil, in Nierenmark lokalisiert)
= Harnstoffresorption
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