Welche Stellung hat die Bundesversammlung im gewaltenteiligen Staatsgefüge?
Answer
Oberste Gewalt im Bund (Art. 148 I BV)
Unmittelbare demokratische Legitimation
Zuständig für Wahl des Bundesrats und Bundesgerichts
Beschliesst die Ausgaben des Bundes, setzt den Voranschlag fest und nimmt die Staatsrechnung ab (Art. 167 BV)
Oberaufsicht über Bundesrat und Bundesgericht (Art. 169 BV)
Erteilt Aufträge an den Bundesrat (Art. 171 BV)
Entscheid über Kompetenzkonflikte zwischen den obersten Bundesbehörden (Art. 173 I lit. i BV)
Card 42
Question
Wie wird die Stellung der Bundesversammlung relativiert?
Answer
Ausübung der Befugnisse nur unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen (Art. 148 I BV). Grundlage und Schranke bildet stets das Recht (Art. 5 I und IV BV).
Card 43
Question
Welche Aufgaben nimmt die Bundesversammlung wahr?
Answer
Rechtsetzung
Aussenpolitik
Finanzen
Wahlen in Form der Vereinigten Bundesversammlung
Oberaufsicht
Wirksamkeitsprüfung und Aufträge an de Bundesrat
Beziehungen zwischen Bund und Kantonen
Innere und äussere Sicherheit
Planung der Staatstätigkeit
Einzelakte
Card 44
Question
Welche Handlungsinstrumente stehen den Mitgliedern der Bundesversammlung zur Verfügung?
Answer
Parlamentarische Initiative: Jedes Ratsmitglied, Kommission und Fraktion kann die Ausarbeitung eines Erlasses vorschlagen (Art. 160 I BV)
Antrag: Jedes Ratsmitglied, Bundesrat, Kommission oder Fraktion kann inhaltliche Änderungen vorschlagen oder Ordnungsanträge stellen zu einem bereits in Beratung stehendem Geschäft
Einwirkung auf den Bundesrat:
Postulat: Beautragt den Bundesrat zu prüfen und Bericht zu erstatten, ob ein Entwurf vorzulegen ist oder eine Massnahme zu treffen sei. Die Zustimmung des anderen Rats ist nicht erforderlich.
Interpellation und Anfrage (durch Ratsmitglied, Kommission, Fraktion): Aufforderung zur Auskunftserteilung über Angelegenheiten des Bundes.
Motion: Auftragserteilung an den Bundesrat auch in seinem Aufgabenbereich.
Card 45
Question
Beschreibe die Rechtstellung der Mitglieder der Bundesversammlung.
Answer
Freies Mandat: Die Mitglieder unterliegen folglich keinen Weisungen ihres Wahlkörpers, Kantone oder politischen Parteien. Abgeleitet aus dem Instruktionsverbot (Art. 161 I BV).
Immunität: Absolute strafrechtliche und zivilrechtliche Immunität für Äusserungen in den Räten und in deren Organen. Relative Immunität (prozessuales Verfolgungsprivileg) für andere Taten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der amtlichen Stellung oder Tätigkeit stehen (Art. 17 ParlG). Ermächtigung der zuständigen Kommissionen notwendig.
Rechte: Funktionsbezogene Informationsrechte (Ausnahmen: Insb. Bundesratssitzungen), Einkommen und Spesen.
Pflichten: Offenlegung der Interessenbindungen, einzelfallweise Informationspflicht, Teilnahmepflicht an den Sitzungen, keine Ausübung ausl. amtl. Funktionen, Amtsgeheimnis.
Card 46
Question
Wie wird die Bundesversammlung kontrolliert?
Answer
Politische Verantwortlichkeit:
Öffentlichkeit und Medien
Wahlen und Referenden
Darüber hinaus: Keine förmliche Kontrollen
Disziplinarische Verantwortlichkeit: Ratsinterne Ordnungs- und Verfahrensvorschriften (Wortentzug und Ausschluss).
Vermögensrechtliche Verantwortlichkeit: Bundesversammlung unterliegt der Staatshaftung (Art. 146 BV) gemäss VG. Über interne Haftung (Bund vs. Mitglied) entscheidet die Verwaltungsdelegation. Beschwerde an BGer gegeben (Art. 21a II und III ParlG).
Card 47
Question
Was sind typische Regierungsobliegenheiten?
Answer
Laufende Lagebeurteilung, Festlegen von Zielen, Prioritäten, Mitteln
Vertretung des Landes nach innen: Hinwirken auf Zusammenhalt, Kommunikation mit der Öffentlichkeit
Vertretung des Landes nach aussen: Besorgung auswärtiger Angelegenheiten (Aushandeln und Abschluss völkerrechtlicher Verträge)
Erlass von untergesetzlichen Rechtssätzen
Leitung der Verwaltung und Auswahl von Führungskräften
Card 48
Question
Beschreibe die Verantwortlichkeit des Bundesrats.
Answer
Bundesrat und seine Mitglieder unterliegen politischer Verantwortlichkeit (Art. 4 und 37 RVOG). Jedoch - abgesehen von Wahlen - sanktionslos.
Card 49
Question
Beschreibe die Planungs- und Initiativfunktion des Bundesrats.
Answer
Planungs- und Initiativfunktion: Bestimmung der Ziele und Mittel der Regierungspolitik, Planung und Koordination der staatlichen Tätigkeit (Art. 180 BV) unter Wahrung der Mitwirkungsrechte der Bundesversammlung (Art. 173 I lit. g BV). Initiativrecht bedeutet, dass der Bundesrat ein Geschäft formell in den parlamentarischen Beratungs- und Beschlussfassungsprozess gemäss Art. 156 BV einbringen kann (Art. 181 BV).
Card 50
Question
Beschreibe die Aufgaben und Instrumente des Bundesrats im Bereich der Rechtsetzung.
Answer
Zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Gesetzgebung.
Erlass rechtsetzender Bestimmungen soweit er durch Verfassung oder Gesetz dazu ermächtigt ist.
Erlassform: (Rechts-)Verfügung.
Card 51
Question
Nenne verfassungsunmittelbare Verordnungen.
Answer
Verordnung zur Wahrung der Landesinteressen (Art. 184 III BV).
Verordnungen zur Abwendung schwerer Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit (Art. 185 III BV).
Übergangsbestimmungen zu Art. 75b BV (Zweitwohnungen) und Art. 121a BV (Steuerung der Zuwanderung).
Card 52
Question
Welche Befugnis ist bei der Aufgabe des Bundesrates, Gesetze zu vollziehen, eingeschlossen?
Answer
Befugnis, die für den Vollzug erforderlichen Vorschriften zu erlassen (Ausführungs- und Vollzugsverordnungen). Diese dienen dazu, die gesetzlichen Bestimmungen zu konkretisieren und ggf. untergeordnete Lücken zu füllen, soweit dies für den Vollzug des Gesetzes erforderlich ist (BGE 126 II 283).
Verordnungen dürfen keine neuen Vorschriften aufstellen, welche die Rechte der Bürger beschränken oder neue Pflichten auferlegen.
Card 53
Question
Was sind unselbständige Verordnungen?
Answer
Verordnungen, die auf Grundlage einer besonderen gesetzlichen Ermächtigung ergehen.
Card 54
Question
Nenne weitere Aufgaben des Bundesrates nebst der Planungs- und Initiativfunktion oder Rechtsetzung.
Answer
Pflege der Beziehungen zu den Kantonen (Art. 186 BV).
Besorgung der auswärtigen Angelegenheiten unter Wahrung der Mitwirkungsrechte der Bundesversammlung sowie der Kantone (Art. 184 I BV).
Wahrung der inneren und äusseren Sicherheit (Art. 185 BV).
Weitere: Ordnungsgemässe Haushaltführung (Art. 183 II BV), Beaufsichtigung der Bundesverwaltung und anderer Aufgabenträger (Art. 178, 187 I lit. a BV), Wahlen (Art. 187 I lit. c BV), Berichterstattung an die Bundesversammlung (Art. 187 Abs. 1 lit. b BV).
Card 55
Question
Weshalb sind Einzelakte problematisch?
Answer
Verkürzung von Rechtsschutzmöglichkeiten (Art. 189 IV BV; Ausnahmen werden im Gesetz genannt).
Card 56
Question
Beschreibe die Rechtstellung der Mitglieder des Bundesrates.
Answer
Politische Verantwortlichkeit (Art. 4 und 37 RVOG).
Strafrechtliche Verantwortlichkeit (beachte aber absolute und relative Immunität; Art. 162 BV).
Disziplinarische Verantwortlichkeit besteht nicht.
Wie können Akte des Bundesrates angefochten werden?
Answer
Nicht: BGer
In wenigen Fällen an das BVGer (Art. 33 VGG).
Bundesrätliche Verordnungen sind der konkreten Normenkontrolle zugänglich.
Card 58
Question
Welche Anforderungen muss eine dezentrale Bundesverwaltung erfüllen?
Answer
Eigenständigkeit ist gesetzlich hinreichend klar abgestützt (Art. 164 BV).
Öffentliches Interesse (Art. 5 II BV).
Rechtsschutz ist sichergestellt (Art. 29a BV).
Aufsichsstrukturen (Art. 169, 187 I lit. a BV).
Card 59
Question
Welche Voraussetzungen muss die Aufgabenauslagerung auf Bundesebene erfüllen?
Answer
Grundlage in einem Bundesgesetz (Art. 178 III BV).
Wahrung des öffentlichen Interesses (insb. Funktionstauglichkeit) (Art. 5 II BV)
SIcherstellung der staatlichen Aufsicht (Art. 187 I lit. a BV).
Sicherstellung Rechtsschutz und Beachtung der Grundrechte (Art. 29a BV, Art. 35 II BV).
Card 60
Question
Was ist ein Gericht im Verfassungssinne?
Answer
Behörde, die organisatorisch und personell, nach Art ihrer Ernennung, der Amtsdauer, dem Schutz vor äusseren Beeinflussungen und nach ihrem Erscheinungsbild sowohl gegenüber anderen Behörden als auch gegenüber den Parteien unabhängig und unparteiisch ist (BGE 126 I 228).
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