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Schweizerisches Bundesstaatsrecht

Zürcher Anwaltsprüfung (mündlich): Selektion von Repetitionsfragen. Exklusive Art. 26 BV (Eigentumsgarantie) und Art. 27 (Wirtschaftsfreiheit).

Subject
Society / Law
Language of creation
German
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Cards in this set

Card 81

Question

Was sind gesetzesvertretende Verordnungen?

Answer

Bestimmungen gehen über den reinen Vollzug von Gesetzen hinaus. Diese Verordnungen bedürfen einer Grundlage (Gesetz oder seltener direkt Verfassung, z.B. Notrecht).

Card 82

Question

Welche Voraussetzungen muss eine Gesetzesdelegation (Übertragung von Rechtssetzungsbefugnissen) erfüllen?

Answer

  • Kein Ausschluss durch die Verfassung (Bund oder Kanton)
  • Delegationsnorm ist in einem (referendumspflichtigen) Gesetz enthalten
  • Delegation ist auf ein bestimmtes Sachgebiet beschränkt
  • Grundzüge der delegierten Materie sind in der Grundlage bereits enthalten

Card 83

Question

Welche Regeln zur Gesetzesdelegation bestehen auf Verfassungsebene?

Answer

Art. 164 II BV: Übertragung durch Bundesgesetz, soweit nicht durch Verfassung ausgeschlossen. Bei mehr als nur Vollzug, hat daher ein formelles Gesetz zu ergehen.

Ausschlussgrund in Art. 164 I BV für "wichtige rechtsetzende Bestimmungen". Konkretisierung für schwere Grundrechtseingriffe (Art. 36 I BV), Freiheitsentzug (Art. 31 I BV) und Abgaberecht.

Card 84

Question

Wie kann die Verletzung der Delegationsregeln geltend gemacht werden?

Answer

Bei kantonalen Erlassen:

  • Verletzung kantonalen Verfassungsrechts; oder
  • Verletzung des Grundsatzes der Gewaltenteilung (ungeschriebenes, verfassungsmässiges Recht)

Bei Bundeserlassen:

  • Anwendungsgebot von Bundesgesetzen (Art. 190 BV)!
  • Gesetzesvertretende Verordnung ist insofern zu beachten, als sie sich an den Delegationsrahmen hält und auf eine bundesgesetzliche Grundlage stützt
  • Überprüfung der Einhaltung des Delegationsrahmens jedoch möglich

Card 85

Question

Definiere den Begriff des dringlichen Bundesgesetzes.

Answer

Nach Verabschiedung im Parlament treten diese sofort in Kraft, ohne dass eine Referendumsfrist von 100 Tagen und eine allfällige Referendumsabstimmung abgewartet werden müssen.

Massstab bei der Beurteilung der Dringlichkeit: 100 Tage.

Regelungsgegenstand: Alles, was in gewöhnlichen Bundesgesetzen geregelt werden kann.

Art. 165 I BV: Dringliche Bundesgesetze sind zu befristen (nicht mehr als wenige Jahre).

Card 86

Question

Welche Arten von dringlichen Bundesgesetzen gibt es?

Answer

Bundesgesetze auf einer Verfassungsgrundlage (Art. 165 III BV e contrario): Fakultatives nachträgliches Referendum. Es gilt lediglich das Volksmehr (Art. 131 I lit. b BV).

Bundesgesetze ohne Verfassungsgrundlage: Obligatorisches nachträgliches Referendum. Es gilt die Mehrheit von Volk und Ständen (Art. 140 I lit. c BV). Tritt ein Jahr nach Annahme durch die Bundesversammlung ausser Kraft, wenn es nicht innerhalb dieser Frist von Volk und Ständen angenommen wird (Art. 165 III BV).

Bundesgesetze mit einer Geltungsdauer von weniger als einem Jahr: Weder fakultatives noch obligatorisches Referendum.

Card 87

Question

Beschreibe die Verfassungsgebung durch Volk und Bundesversammlung.

Answer

BV kann jederzeit ganz oder teilweise revidiert werden (Art. 192 I BV).

Zustimmung der Mehrheit von Volk und Ständen im Rahmen eines obligatorischen Verfassungsreferendums (Art. 140 I lit. a BV).

Card 88

Question

Welche Schranken gelten bei der Verfassungsrevision?

Answer

Einheit der Form

Einheit der Materie

Wahrung der zwingenden Bestimmungen des Völkerrechts

(vgl. Art. 193 IV, Art. 194 II und III BV)

Card 89

Question

Was bedeutet Einheit der Form?

Answer

Nur bei Volksinitiativen: Ausgearbeiteter Entwurf oder allgemeine Anregung, aber keine Kombination.

Card 90

Question

Was bedeutet Einheit der Materie?

Answer

Sachlicher Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen einer Initiative.

Card 91

Question

Welches Grundrecht muss bei der Versorgung mit Informationen insbesondere von den Informationsdiensten beachtet werden?

Answer

Art. 8 BV: Rechtsgleichheitsgebot.

Card 92

Question

Welches Prinzip wurde mit dem BGÖ eingeführt?

Answer

Allgemeines Öffentlichkeitsprinzip (statt Grundsatz der Geheimhaltung mit Öffentlichkeitsvorbehalt).

Card 93

Question

Welches Grundrecht ist das Gegenstück des Informationsauftrags der Regierung und Verwaltung?

Answer

Art. 16 III BV: Informationsfreiheit. Jede Person hat das Recht, Informationen frei zu empfangen, aus allgemein zugänglichen Quellen zu beschaffen und zu verbreiten.

Card 94

Question

Welche Warnungs- und Präventionskompetenzen finden sich in der BV und dem Gesetz?

Answer

Art. 43 LMG: Öffentliche Warnung vom BAG und Verhaltensempfehlungen.

Art. 3 EpG: Permanente Information betreffend gefährliche übertragbare Krankheiten.

Art. 74 KEG: Informationspflicht zu besonderen Ereignissen.

Präventionsgesetz existiert nicht: Nicht-förmliches Handeln der Regierung.

Card 95

Question

Was ist die polizeiliche Generalklausel?

Answer

Geschriebene oder ungeschriebene Ermächtigung an die Exekutive, Massnahmen zum Schutz von bedrohten Polizeigütern zu treffen, um eine schwere und unmittelbare Gefahr abzuwenden oder eine bereits erfolgte schwere Störung zu beseitigen.

Art. 173 I lit. b BV: Die Bundesversammlung hat zudem folgende Aufgaben und Befugnisse: Sie trifft Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit.

Art. 185 III BV: Er trifft Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit.

Art. 36 I BV: [...]. Ausgenommen sind Fälle ernster, unmittelbarer und nicht anders abwendbarer Gefahr.

Card 96

Question

Was sind die Voraussetzungen für die Anwendung der polizeilichen Generalklausel?

Answer

  • Schwere und unmittelbare Gefahr oder bereits erfolgte schwere Störung
  • Zeitliche und sachliche Dringlichkeit
  • Subsidiarität: Die Massnahme lässt sich nicht auf ein Gesetz stützen
  • Notwendigkeit der Anordnung war nicht voraussehbar
  • (Schutz besonders hochwertiger, fundamentaler Rechtsgüter)

Card 97

Question

Welchen Anforderungen müssen Massnahmen gestützt auf die polizeiliche Generalklausel genügen?

Answer

Verhältnismässigkeit

Grundrechte

Befristung

Card 98

Question

Beschreibe die Massnahmen gemäss BV zur aussenpolitischen Interessenwahrung.

Answer

Art. 185 I BV: Der Bundesrat hat die Befugnis, Massnahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit und der Neutralität der Schweiz zu treffen.

Art. 184 BV: Massnahmen zur Wahrung der Interessen des Landes.

Art. 173 I lit. a BV: Entsprechende (konkurrierende) Kompetenzen der Bundesversammlung.

Card 99

Question

Was ist eine Verfügung?

Answer

Individueller, an eine Einzelperson gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird (vgl. Art 5 VwVG).

Card 100

Question

Welche Grundsätze sind bei der Rechtsanwendung zu berücksichtigen?

Answer

Gesetzmässigkeitsprinzip (Legalitätsprinzip): Grundlage und Schranke des gesamten staatlichen Handelns ist das Recht (Art. 5 I BV).

Die richterlichen Behörden sind nur dem Recht verpflichtet (Art. 191c BV).

Gesetzesvorbehalt gemäss Art. 164 I BV (auf kantonaler Ebene ergibt sich dies aus dem Grundsatz der Gewaltenteilung).

Rechtssicherheit, Rechtsgleichheit und Verbot der Rechtsverweigerung.

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